„Die Grenzen der Sprache sind die Grenzen der Welt“
Ludwig Wittgenstein
Leider bin ich immer im Stress, wenn jemand anruft und dann einen Titel zu einem Vortrag will, den ich längst zugesagt hatte…und wenn ich dann ganz schnell etwas sagen soll, nehme ich meistens den vorgeschlagenen Titel mit einem Fragezeichen dahinter… Früher war das egal ich habe ohnehin immer die gleichen drei Vorträge gehalten …heute mache ich viel weniger Vorträge und versuche nicht mehr einen vorgefertigten Vortrag anzupassen, sondern mich tatsächlich einem Thema zu nähern . Das hat für Sie einen Nachteil, dass der Titel, der im Programmheft steht, nicht wirklich getroffen wird. Und weil das Ganze etwas grundsätzlich geraten ist, müssen Sie das auch noch ohne Bilder durchstehen… Ich hoffe Sie haben viele Bilder von Spolien gesehen in den vergangenen Tagen ich verspreche Ihnen es dauert nicht lang…
Es soll also um die Spolie gehen …
An sich ein Thema, das in der modernen Architekturdebatte nicht so gut beleumundet ist.
Die Spolie in der zeitgenössischen Architektur stand eigentlich für postmoderne Bedeutungsduselei…
Und doch … durch die Urban Mining Debatte gewinnt die Spolie… nicht wirklich überraschend … an Gewicht …
Diese neue Spoliendebatte geht dabei nicht vom Zeichencharakter der Spolie aus,
Wie das noch bei den meisten Verwendungen von Bauteilen aus beispielsweise meinem Büro der Fall war.
Die Debatte stellt zuerst auf den Ressourcencharakter des vorhandenen Bauteils ab.
Auch das ist nicht weiter verwunderlich … haben wir uns doch alle auf einen suchend tastenden Weg nach einer Kreislaufwirtschaft gemacht.
Eine Weile wird das noch tragen, dass Urban Mining an sich originell ist, aber was dann?
Wenn Wiederverwendung tatsächlich ein dauerhaftes Thema werden sollte, dann wird man sich anderer Mittel bedienen müssen.
Ich glaube, dass dies ein interessanter Punkt sein wird für den modern denkenden Architekten.
Wie das wohl geht die Verwendung eines vorhandenen Bauteils ohne, dass diese Verwendung für sich, einen Distinktionsgewinn verspricht …???
Dabei geht es um die immer gleiche Frage wie kommt das . . . Neue?
wie kommt das Besondere in die Welt?
wer ist der Autor?
Wenn wir die Frage der Wiederverwendung ernst nehmen, wenn klar wird, dass alles, was wir verwenden können, schon vorhanden ist …, dass es nicht um Eingebung und Erfindung..
sondern um Neukombination geht.
Das wird die modern geprägte Architektur in eine tiefe Krise stürzen.
Doch der Reihe nach … Ich möchte zuerst über Sprache reden.
das hat damit zu tun, dass ich tatsächlich glaube, dass Sprache als ein erstaunlich leistungsfähiges Modell für Architektur dienen kann.
Das ist bei meiner Biographie nicht weiter verwunderlich …
Ich bin auf dem Höhepunkt der Postmoderne ausgebildet …
da war Sprachtheorie Peirce, Frege, Wittgenstein auch Russel ein grosses Thema…
Wir haben allerlei semiotische Theorien von Umberto Ecco bis Roland Barthes gelesen …
erstaunlicherweise haben wir keinen Walter Benjamin gelesen das kam erst viel später.
Ich werde darauf zurückkommen.
Aber jenseits aller semiologischen Theorien und sprachtheoretischen Winkelzüge…
Das Modell der Sprache kann uns in der Architektur viel helfen.
Wir setzen unsere Alltagssprache aus uns bekannten Stücken zusammen…
diese Stücke nennen wir Worte, die wir immer wieder neu kombinieren, neu zusammenstellen können…
und selbst wenn wir wohl annehmen müssen,
dass wir nicht davon ausgehen können, dass wir alle das Gleiche unter den Worten verstehen…
So sind diese Worte doch bekannt und liegen zur Auswahl vor…
Und selbst wenn Sie unter den Worten, die ich wähle, etwas anderes verstehen als ich …
Im täglichen Gebrauch verwenden wir sie doch…diese Worte.
Wir kombinieren sie nach bestimmten mehr oder minder genau festgelegten Regeln, die wir Grammatik oder Syntax nennen…
Aber im Grunde kombinieren wir die immer gleichen Worte ,
aus einem erstaunlich begrenzten Wortschatz…
um einen Inhalt zu transportieren (Der aktive Wortschatz deutscher Muttersprachler/-innen umfasst in etwa zwischen 12 000 und 16 000 Wörter)
meist verwenden wir diese Worte in der Hoffnung verstanden zu werden …
Wir vertrauen dabei darauf,
dass wir damit an eine Bedeutung vielleicht sogar eine gemeinsame Bedeutung erinnern.
Dabei ist interessant
dass niemand auf die Idee käme er hätte ein Wort erfunden … oder wenn dann vielleicht ein Wort in einem längeren Text … ein Wort in einem Buch …
Ja ich weiss hier anlässlich der Darmstädter Gespräche 1951
hat Martin Heidegger ganze Reihen von Worten erfunden, wobei auch dies Abwandlungen bekannter Worte waren.
Trotz unserem seit der Moderne geforderten Orginalitätsbedürfnis
käme auch niemand auf die Idee man brauche eine neue Sprache, weil in der Alten nun alles gesagt sei …
Ja es stimmt Sprache verändert sich… aber sehr … sehr langsam …
die Veränderung ist innerhalb eines Sprecherlebens nur bei grosser Aufmerksamkeit erlebbar …
hätte ich mit 10 Jahren einmal „geil“ gesagt hätte ich von meiner Mutter eine gescheuert bekommen heute 45 Jahre später kann ein 10-Jähriger fast keinen Satz mehr bilden, ohne irgendwas „geil“ zu finden …
Nun können sie sagen ist das nicht ein unglaublich reduzierter Sprachbegriff?
Ich würde Ihnen antworten: Ja natürlich geht das auch noch viel komplizierter …
Es ist nämlich vielleicht ganz falsch Sprache auf Kommunikation zu reduzieren, Wenn Sie Walter Benjamin lesen, dann steht Sprache eben nicht im Dienst der weltlichen Mitteilung, sondern im Dienst der Offenbarung des Seins.
Sprache ist also, nach Benjamin, ein Offenbarungsgeschehen, kein Mitteilungsgeschehen.
So Benjamin in seiner Schrift zum Ursprung des deutschen Trauerspiels 1928
Und Heidegger sagt hier in Darmstadt 1951 im Darmstädter Gespräch
Der Zuspruch über das Wesen einer Sache kommt zu uns aus der Sprache, vorausgesetzt, daß wir deren eigenes Wesen achten. Inzwischen freilich rast ein zügelloses und zugleich gewandtes Reden, Schreiben und Senden von Gesprochenem um den Erdball. Der Mensch gebärdet sich, als sei er Bildner und Meister der Sprache, während sie doch die Herrin des Menschen bleibt.
Auf Architektur übertragen, geht es dann nicht um Kommunikation via Architektur,
sondern Architektur wird zu einem Medium zum Erkennen der Architektur selbst, und das ist bei der Architektur ja noch viel plausibler als bei der Sprache,
weil Architektur ja üblicherweise gar nicht so tut, als könnte sie direkt gelesen werden….
das heisst die Formen, die an nichts erinnern,
wenn es sie, denn gäbe könnte man gar nicht sehen, auf gar keinen Fall könnte man sie erkennen…
Keine Sorge ich werde, obwohl es hier Darmstadt ist, jetzt nicht Heideggern…
ich wollte nur dem Argument vorbeugen, dass ich so eine etwas doofe Idee von Kommunikation via Architektur verfolgen würde…
Und gleich einem Text aus Worten an deren Bedeutung wir uns irgendwie erinnern setzen wir Architektur also aus erinnernden Formen zusammen …
das können wir nicht anders, genauso wie wir nicht ohne Worte sprechen können…
Und auch in der Architektur gibt es keine Erfindung
Die Formen der Architektur liegen ebenfalls vor,
ob wir die Erinnerung zu diesen Formen nun teilen oder nicht.
Architektur besteht aus bekannten Formen, die wir immer wieder neu kombinieren…
es bleibt uns gar nichts anderes übrig…
Und richtig in diesem Formenvokabular gibt es Abschnitte
die mir, wenn ich Moderner Architekt wäre nicht zugänglich sind…
es gibt verbotene Bereiche …
es gibt tabuisierte Zonen
Aber egal was uns die Exegeten der reinen modernen Lehre glauben machen wollen
Es ist alles zum Gebrauch offen nur ideologische Grenzen halten manche Referenzräume unter Verschluss nur ideologische Vorbehalte behaupten manche Formen für unzulässig.
Als Architekt beleidigt es meine Intelligenz, dass es Formen geben sollte, die nicht verwendet werden können,
aber es darf natürlich jeder fordern, was er will, solange es jemand glaubt, bitte …
ich muss mich ja nicht dran halten…
Dabei ist die Welt der Formen ganz wunderbar
ich kann sie entwerfend modulieren… verschieben anpassen … mit Erinnerungen spielend ….
auf Verständigung hoffend…
Oder ich kann mich auch einfach nicht drum kümmern, was für Erinnerungen transportiert werden …
das bedeutet aber im Umkehrschluß nicht,
dass ich keine Erinnerung habe oder keine auslöse…
ich will sie möglicherweise nur nicht nutzen.
Architectura sono architecturae …
ich muss dieses Wort von Aldo Rossi gar nicht architekturgeschichtlich überfrachten
es geht dabei darum, dass ich Architektur nur aus den bereits bekannten Architekturen machen kann.
Richtig
Aldo Rossi konnte sich nicht vorstellen, dass man aus Transformatorspulen Stellwerke machen könnte, wie Herzog De Meuron in Basel
Er hätte immer nur das verwendet was er als Architektur betrachtet hat …
was in seiner Vorstellung von kollektivem Gedächtnis als Architektur tragfähig war.
Das architektonische kollektive Gedächtnis interessiert Herzog De Meuron weniger
aber gerade dadurch öffnet sich ihnen ein anderes Formenrepertoir das Rossi nicht zugänglich war …
es sind aber nur andere Formen …
ein anderer Referenzraum wenn Sie so wollen
der Vorgang der Verwendung von Form bleibt genau der Gleiche
das heisst Herzog de Meuron kombinieren nur andere Formen und andere Referenzen als Rossi
das Repertoire, auf das sie zurückgreifen referieren
von referre (zurückführen) ist anders der Vorgang der Kombination ist genau derselbe…
Ich verwende die Begriffe Referenz und Form in diesem Vortrag annähernd synonym… das ist natürlich nicht ganz korrekt würde aber möglicherweise den Rahmen sprengen das sauber zu machen
An dem Herzog De Meuron Beispiel sieht man, dass anders als alle auf Originalität versessenen Architekten meinen:
die blosse Erkenntnis, dass Architektur eine Rekombination von bekannten Formen ist spricht eben nicht gegen Originalität der gewählten Lösung, dass wir alles nur aus einer Kombination bekannter Dinge machen können, spricht nicht gegen einen individuellen Ausdruck …
sie spricht nicht gegen etwas Neues …
Was heisst Neu?
auch in der Architektur kann an sich nichts erfunden werden,
sondern wir kombinieren bekanntes und gelangen so zu neuen bis dahin unbekannten Kombinationen.
mag sein die Regeln der Architektursprache sind nicht ganz so formalisiert…
wie unsere Sprache
sie sind nicht ganz so klar in ihrer Auswirkung …
aber es braucht eben keine neue Formensprache weil die Aussagen in einer Sprache entstehen durch die kreative Verwendung der vorhandenen Sprache
und eben gerade nicht durch die Erfindung einer neuen Sprache
Die Architektur entsteht durch eine kreative Verwendung der referenzierten Formen und eben nicht durch die Erfindung neuer Formen.
Was heisst das nun für unser Thema der Spolie?
Auch wenn wir physisch bauen, bringen wir Materialien in eine Form wenn wir beispielsweise eine Mauer machen, geben wir dem Material eine Form
oder wir verwenden Halbzeuge
wie Fensterprofile oder ganze Türen, oder Fassadenpaneele, die für sich schon eine Form haben
auch diese Halbzeuge und diese von uns geformten Materialien folgen ziemlich engen Rahmenbedingungen… sie folgen Zulassungen oder technischen regeln aber natürlich folgen sie auch formalen Regeln…
Und jede Form, die wir verwenden wird an etwas erinnern…
Erinnerung heisst nicht bedeuten …
und auch nicht unbedingt, dass wir die Erinnerung gemeinsam haben also wir uns alle an das gleiche erinnern
Erinnerung ist in diesem Zusammenhang das System das wir nutzen, um für uns Dinge erkennbar zu machen, um sie einzuordnen, um sie sehend zu erkennen oder besser
um zu beobachten, wie sich uns die Dinge offenbaren. Wie Benjamin vielleicht sagen würde.
Wir können dieses Erinnern nicht vermeiden
und so wie es keine Form gibt, die an nichts erinnert so können wir uns auch nicht nicht erinnern.
Das bedeutet jede Form erinnert an etwas vermutlich in den allermeisten Fällen an eine andere Form.
natürlich sind diese Bezüge nicht sehr genau
und werden durch die Ausweitung unsrer Formmöglichkeiten immer unschärfer… beliebiger.
Das Zeichensystem auf das Rossi vielleicht noch vertraute wurde seither radikal erweitert, was natürlich zu einer gewissen Verbreiterung möglicher Erinnerungen führt
zu einer gewissen Verdünnung …
oder um es positiv zu wenden zu einer Verallgemeinerung.
Wenn jede Form erinnert, dann bedeutet das auch dass ich mit der Verwendung eines Bauteils eine Referenz einen Bezug einkaufe…
es wird nicht irgendwie nur Materie weiterverwendet,
sondern es wird ein Zeichen eine Erinnerung weiterverwendet. Und diese Erinnerung bestimme anders, als wenn ich ein Material forme…
im ersten Schritt nicht ich.
Die Erinnerung, das Zeichen ist bereits vorhanden …
…die Zeichenebene ist so immer Teil der Wiederverwendung
Es ist wie, wenn ich einen Text machen müsste,
bei dem ich die Worte nicht frei wählen darf, sondern mir jemand die Worte zu Verwendung vorgegeben hat.
das ist anstrengend und unüblich… aber möglich …
eventuell können wir uns auch drauf einigen,
dass Goethe mit den gleichen Worten einen besseren Text gemacht hätte, als wir es könnten …
Dass also einige Architekten in dieser Disziplin etwas besser sind als andere…
wie bei einem Text der aus bekannten Teilen besteht und nicht aus einer alphabetischen Auflistung von darin genutzten Worten …
Das heisst, dass wir die Urban Mining Debatte deutlich vorsichtiger führen sollten als wir das tun…
Wiederverwendung ist eben nicht nur Ressource, auch wenn sie vornehmlich unter dem Ressourcenaspekt gesehen wird …
Dass das so ist
kann ich ja verstehen …
Es ist absolut richtig, dass unsere Städte und Gebäude ein riesiges Materiallager sind
Und ich verstehe auch, dass man bei der momentanen Bedrohung meint die Erinnerungsebene vernachlässigen zu können
Das kann man schon eine Weile probieren auf Dauer wird das aber sicher nicht gelingen…
Zu eindeutig ist das Zeichen an die Form gebunden
Denn … so heisst es bei Ernst Cassierer in der „Philosophie der symbolischen Formen“
Denn das Zeichen ist keine bloß zufällige Hülle des Gedankens, sondern sein notwendiges und wesentliches Organ.
Es dient nicht nur dem Zweck der Mitteilung eines fertiggegebenen Gedankeninhalts, sondern ist ein Instrument, kraft dessen
dieser Inhalt selbst sich herausbildet und kraft dessen er erst seine volle Bestimmtheit gewinnt.
Das heisst nicht zuletzt mit den Städten und Gebäuden sind die Menschen eben nicht nur über die realen Materialien verbunden,
sondern eben auch über die Zeichen, die diese Materialien formen „.. kraft derer der inhalt seine volle Bestimmtheit gewinn t…“
Und so ist die Stadt eben beides ein Material Lager und ein Zeichensystem
und diese Verbindung die an sich immer da ist tritt uns eben in der Spolie besonders deutlich gegenüber.
Mag ja sein, dass der zeichenwert des ikonischen Sichtbetongebäudes im Recyklingbeton verschwindet, aber beim Vermahlen wird das Zeichen eben auf sein Material zurückreduziert.
wenn man es wiederverwendet, dann formt man wiederum ein neues Zeichen.
Die Frage die mich als nächstes interessiert, ist
Ist jede Wiederverwendung eines Bauteils eine Spolie ?
Ich glaube das ist eine wichtige Frage
weil wenn jede Bauteilverwendung eine Spolie ist und wir jetzt dann im grossen Stile Bauteile wiederverwenden
dann ist dieser Begriff zur Unterscheidung nicht wirklich brauchbar…
wenn ich die Schublade so gross mache, dass alles hineinpasst, dann hilft mir die Schublade bei der Ordnung der Dinge nicht.
Also ich plädiere dafür, dass nicht jede Bauteilverwendung Spolie genannt werden kann.
Daraus folgt aber sofort die Frage
Wann wird eine Wiederverwendung zur Spolie ?
Erstmal ist eine Spolie also nur die Materiallieferung
Die materialisierte Referenz und ganz genau wie jedes beliebige Halbzeug wie jedes beliebige geformte Material wie jede im Katalog oder auf der Baustelle vorgefundene Türe
Und dennoch ist die Spolie irgendwie komplizierter
Lange hat man versucht sich zu entscheiden
ist die Spolie nun Ressource oder Zeichen …
diese Frage ist glaube ich beantwortet jedes Bauteil ist Ressource und Zeichen.
Aber offenbar gibt es Bauteile, denen wir irgendwie eine höhere Zeichenhaftigkeit zubilligen als anderen … wir nehmen also den Zeichencharakter der Spolie stärker wahr …
als den Zeichencharakter des wiedereingebauten Schüco-Fensters
obwohl es gar nicht klar ist, woher das kommt dass wir das Schücofenster nicht so zeichenhaft wahrnehmen.
erstmal geht es dabei aber um unsere Wahrnehmung und nicht um tatsächliche Zeichenhaftigkeit …
und dennoch ist das Zeichen der Spolie irgendwie stärker im Vordergrund als bei anderen wiederverwendeten Bauteilen.
Die Spolie scheint irgendwie zeichenhafter zu sein … wie ist das möglich?
Im ersten Schritt könnte man auf den Kontext kommen in dem die Spolie präsentiert wird … je prominenter sie in Erscheinung tritt je ungewöhnlicher sie im Kontext ist, umso mehr Zeichen …
mag sein . . . das erklärt,
dass wir das so wahrnehmen aber eben nicht, warum es so ist …
Auch hier bietet vielleicht die Sprache einen Zugang:
In der Literatur gibt es die Form der Allegorie
Allegorie (griechisch allegoría ‚andere Sprache)
ist eine Form indirekter Aussage, bei der eine Sache (Ding, Person, Vorgang) aufgrund von Ähnlichkeits- oder Verwandtschaftsbeziehungen
als Zeichen einer anderen Sache (Ding, Person, Vorgang, abstrakter Begriff)
eingesetzt wird.
In der Spolie wird deutlich, dass sie nicht nur ein einfacher Verweis ist wie ein sonstiges Halbzeug
sondern der Verweis auf einen anderen Verweis
Die Spolie verweist darauf, dass sie eine Spolie ist.
Das heisst wir können die Wirkungsweise der Spolie besser erklären,
wenn wir sie als so etwas ist wie eine doppelte Verneinung verstehen, ein Verweis des Verweises
die Spolie ist also allegorisch wirksam.
Das bloße Halbzeug ist das nicht.
Und tatsächlich bei Walter Benjamin finden wir eine ähnliche Idee
Dass es nach dem Fall in die Moderne keine direkte Weise mehr, gibt Wahrheit auszusprechen.
Dafür ist die Sprache selbst längst zu verstrickt und entleert.
Sehr wohl aber gibt es innerhalb dieses Verstrickungszusammenhangs Weisen, den Grad des eingetretenen Unvernehmens sichtbar und erinnerlich zu machen:
eben die Allegorie.
Nochmal:
Dass es nach dem Fall in die Moderne keine direkte Weise mehr, gibt Wahrheit auszusprechen.
… das kommt uns bekannt vor oder ?
Dafür ist die Sprache selbst längst zu verstrickt und entleert.
Sehr wohl aber gibt es innerhalb dieses Verstrickungszusammenhangs Weisen, den Grad des eingetretenen Unvernehmens (wohl am ehesten Unverständnis)
sichtbar und erinnerlich zu machen:
eben die Allegorie.
In der Allegorie der Spolie offenbart sich uns der Zeichencharakter der Stadt wie benjamin sagen würde.
Das heisst die Spolie macht diesen Zeichencharakter in besonderer Weise, sichtbar und erinnerlich
Auch unser Zeichensystem ist,
wenn wir Benjamin auf die Architektur übertragen, verstrickt und vielleicht nicht entleert aber in jedem Falle verdünnt …
Das heisst durch die Vielzahl an möglichen Formen nimmt die Aussagekraft der einzelnen Form ab.
Das kann man gut oder schlecht finden das ist ein anderer Vortrag.
Ich vermute aber, dass das durch eine breite Wiederverwendung von Bauteilen noch verstärkt würde.
Die Frage nach der Spolie wird so zu einer Frage nach der Nachhaltigkeit,
Der Nachhaltigkeit der Wiederverwendbarkeit, des Zeichensystems der Stadt
Eine Frage die uns interessieren sollte.