Umbau versus Denkmalpflege

Architektonische Entwürfe versuchen drängende Fragen gern mit einem einzigen, überzeugenden Entwurfsgedanken zu beantworten… wir nennen das IDEE und tatsächlich im besten Fall überstrahlt die eine große Idee manch ein Defizit an anderer Stelle. Mit komplexer werdenden Bauaufgaben wird es allerdings immer schwieriger, solch abstrahierte, also genial vereinfachte Bilder zu ersinnen. Dies gilt besonders angesichts der enormen Herausforderungen durch Klimakrise und Ressourcenknappheit. Vor diesem Hintergrund nämlich ist klar, dass die Lösung nicht im (genial ersonnenen) Neubau liegt, sondern in der Umwidmung, der Neuorganisation oder der Erweiterung von Bestandsgebäuden.In den allermeisten Fällen entzieht sich der Umbau dem einen…  dem einzigen Entwurfsgedanken … Umbau ist meist uneinheitlich vielfältig widersprüchlich und unvorhersehbar. Bei Umbau hat die Suche nach dem einen erlösenden Entwurfsgedanken kaum Aussicht auf Erfolg. Ein wie auch immer gewählter Ansatz wirft hier oftmals mindestens so viele neue Fragen auf, wie er beantworten kann. Fast immer ist ein ganzes Bündel an Strategien gefragt, viele Teildeen, die sich zu einer Haltung formen. Wenn das Bauen der Zukunft ein Weiterbauen ist, werden die Möglichkeiten der traditionellen einen grossen Idee abnehmen. Dafür grundlegend ist das Bewusstsein, dass Bestandsgebäude in den seltensten Fällen gordischen Knoten ähneln, die es zu durchtrennen gilt, sondern einem historischen Geflecht, das sich weiter knüpfen lässt. Es spricht sehr viel für umbauen, Abfallvermeidung, Graue Energie Versiegelung auch Ikonographische Kontinuität.

Als Architekten sind wir immer noch im Geiste der Moderne erzogen die Moderne wollte aber nicht wirklich umbauen sie wollte die alte Architektur insbesondere den Historismus überwinden. Überwindung heisst hierbei der Historismus sollte zerstört werden. Konsequenterweise stellt sich beispielsweise Gropius Gebäude eher wie Industrieprodukte vor und Le Corbusier sprach sogar von Wohnmaschinen. Maschinen baut man im Allgemeinen nicht um sie werden mehr oder weniger  gewartet und dann ersetzt man sie durch bessere, neuere Maschinen, das sollte den Produktionsprozess beschleunigen und daher in relativ kurzer Zeit geschehen in der Folge sollten die Gebäude eher ephemere Gebilde sein aus einfachen Materialien hochfunktionell und schnell ersetzbar.

Die Idee war, dass wenn Funktionen oder Bedarfe sich grundsätzlich wandeln die gebäude durch neuere bessere Häuser ersetzt werden soweit die sicher etwsa verkürzte Forderung Eine Folge daraus ist, dass die wesentliche Theoriebildung der Moderne auf Neubau gerichtet ist Umbau kommt im Prinzip nicht vor.

Das ist in dieser Absolutheit zwar nicht ganz richtig, aber immerhin erscheint 1932 ein Buch das sich mit unserem Thema beschäftigt von Umbau heisst es von Hermann Zippel und Konstanty Gutschow … das Buch propagiert nicht Umbauen statt neubauen aber es gehr davon aus dass Umbau an Bedeutung gewinnen wird.

Gleich als zweiter Satz wie zur Entschuldigungdieses Buch propagiert nicht umbauen statt neubauen…“

Die in der Buch versammelten Beispiele sind dann auch häufig gar keine Umbauten sondern eher moderne Überformungen alter Gebäude … etwas boshaft könnte man sagen dass wenn man schon nicht die Stadt komplett neu bauen kann so doch zumindest die Stadt neu und damit modern aussehen sollte.

Es ist natürlich nicht so dass in der Zeit des Neuen Bauen nicht umgebaut wurde in Bereichen der Reformarchitektur und des Heimatstils wurde selbstverständlich umgebaut  umsonst hat sich  unter dem Begriff Heimatschutz Naturschutz und Denkmalschutz in dieser Zeit parallel entwickelt

Umbau war aber eher etwas für historisch wertvolle Gebäude.

Die Ressource geschweige denn der Umbau aus Ressourcengründen ist kein Thema des sogenannten NEUEN BAUEN

So ist es nicht weiter verwunderlich wenn man heute als modern ausgebildeter Architekt relativ schnell bei der Denkmalpflege landet wenn man nach theoretischen Grundlagen für den Umgang mit alter Bausubstanz sucht.

Die Denkmalpflege bietet eine Fülle von theoretischen Grundlagen zur Beschäftigung mit Bestand.  

Sie hat zum Beispiel ein Denkmalpflegegesetz das ist ein Gesetz das sehr genau festlegt was ein Denkmal denn überhaupt sei und wie im weiteren damit umzugehen ist … das ist etwas wovon man als Umbauer nur träumen kann Es ist nicht im Ansatz klar was ein Umbau denn nun ganz genau ist und bis Umbau möglicherweise in einer Umbauordnung definiert wird wird es vermutlich noch lange dauern.

Aber auch auch bei ganz praktischen Dingen schaut der Umbauer ganz neidisch auf die Denkmalpflege wenn es zum Beispiel im Neubau eine Dokumentationspflicht gäbe das wäre ein Meilenstein das  könnte uns beim Umbauen wirklich helfen.

Die Denkmalpflege kennt für ihre Belange förderliche Abaschreibungsmechanismen um Denkmalpflege überhaupt  zu finanzieren und zu fördern Sie hat Ämter und ein Heer von Personen die über die Einhaltung des Gesetzes und seiner Implikationen wachen …

Und die Denkmalpflege ist lebendig sie hat eine beständige Weiterentwicklung ihrer theoretischen Grundlagen die Theoriebildung in der Denkmalpflege ist zwar langsam aber sie findet statt sie unterliegt Usancen und Veränderungen aber ist doch vergleichsweise stabil … ein  Beispiel ist die Charta von Venedig …ein Text von 1964 der den Umgang mit Denkmälern beschreibt einer der wenigen Texte im Bereich des Bauens der selbst 60 Jahre dannach zumindest unter Architekten weithin unwidersprochen ist.

Aber ist Denkmalpflege deswegen tatsächlich geeignet uns beim Thema Umbau zu helfen ?  Denkmalpflege hat ein ziemlich klar definiertes Ziel im bayerischen Denkmalgesetz steht.

Denkmäler sind von Menschen geschaffene Sachen oder Teile davon aus vergangener Zeit, deren Erhaltung wegen ihrer geschichtlichen, künstlerischen, städtebaulichen, wissenschaftlichen oder volkskundlichen Bedeutung im Interesse der Allgemeinheit liegt“

Es geht also nicht um Ressource im heutigen Sinne sonder es geht um Erhalt.

Bei Licht betrachtet hat die Denkmalpflege wenig Interesse am Weiterbauen. Sie nimmt es in Kauf aber das Ziel ist ein anderes,

Denkmalpflege will das Gebäude möglichst bewahren im Prinzip will sie das

Gebäude in einen zustand versetzen ähnlich dem Dornröschen, das unverändert die Jahrhunderte schlafend überdauert, von einer Dornenhecke aus Verordnungen geschützt, … im Unterschied zu dem Märchen aber  in der Hoffnung dass eigentlich kein Prinz kommt und es erweckt.

Veränderungen sind zulässig brauchen aber eine besondere Erlaubnis und unterliegen bestimmten sehr klaren Regeln …

Ein Denkmal kann schon genutzt werden aber am besten möglichst wenig verändert im letzt vorgefundenen Zustand.

Nicht zuletzt für diesen Schutz dieses Zustandes hat die Denkmalpflege eine ganze Reihe für sie, nützlicher Begriffe eingeführt.

Zum Beispiel Ablesbarkeit des Eingriffs, oder Reversibilität, Authentizität, Integrität es wird von Ehrlichkeit und Materialgerechtigkeit gesprochen alles Figuren, die im Bereich des Denkmals Sinn ergeben …  und durchaus im Einzelfall auch auf Neubau anwendbar sein könnten  Bei licht betrachtet dienen sie aber den Zielen der Denkmalpflege in ihrem Bestreben um schlafende Musealisierung.

Als Umbauer kann ich sagen

Ein grosser Teil der denkmalpflegerischen Kategorien steht uns nämlich im Weg wenn wir auf den Ressourcencharakter der gebauten Umwelt abstellen wollen.

Es ist eben oft nicht möglich den Eingriff ablesbar zu machen … manchmal ist das auch gar nicht gewünscht … den Eingriff nicht zu zeigen fällt uns aber mit unserer modernen Ausbildung schwer…

die Integrität des Gebäudes oder eines Bauteils ist ein hohes gut im …  aber was wenn ich ein Gebäude eher als Ressource sehen möchte und nicht als per se als einen aesthetisch  wertvollen Bestand.

Die Substanzschonung macht natürlich Sinn im Denkmal . . .  im Umbau kann die Substanz im konkreten Fall zumindest nicht heilig sein.

Der Begriff der Authentizität ist schon im Denkmalschutz problematisch beim Umbau wird er endgültig zur Behinderung … das wäre aber zugegebener Massen ein anderer Vortrag.

Auf der Suche nach theoretischen Grundlagen für Umbau sind wir Architekten bei der Denkmalpflege fündig geworden und haben ihre Glaubenssätze auf Umbau angewendet. Die Denkmalpflege nutzt das durchaus geschickt und macht sich zum Sachwalter des Bestandes. Der sie ja auch zumindest in Teilen ist.

Wenn wir umbauen aber zum Normalfall unseres Baugeschehens machen wollen werden wir eine von der Denkmalpflege unabhängige Theoriebildung brauchen.

Natürlich benimmt sich nicht jeder Architekt wie ein Denkmalpfleger aber Denkmalpflege beschreibt einen klaren Umgang mit Bestand man könnte diesen Umgang konservatorischen Umbau nennen

Der Erhalt der Substanz steht im Vordergrund es wird möglichst wenig hinzugefügt oder weggenommen, das Ziel ist den kulturhistorisch meist wichtigen Bestand zu schützen. Nicht eine Nutzungsausweitung steht im Vordergrund sondern der Erhalt und die Sicherung.

Die Architekten haben einige theoretische Sätze der Denkmalpflege übernommen und daraus etwas gemacht das man demonstrativen Umbau nennen könnte.

Aus der Fuge und der Ablesbarkeit der Charta von Venedig wurde der Kontrast. Alt und neu sind an wesentlichen Stellen sichtbar. Sie werden bewusst behandelt und inszeniert. Das Gebäude bezieht einen wesentlichen Teil seines Ausdrucks aus dem Umstand, dass es umgebaut ist. 

Ich behaupte dass der demonstrative Umbau die Antwort der Architekten auf die Beschäftigung mit Denkmalpflege ist … tatsächlich werden ja auch bis vor kurzem nur denkmalpflegerisch wertvolle Gebäude umgebaut das heisst mit der Fragestellung des Weiterbauens konfrontiert, haben wir die Ideen der Denkmalpflege übernommen und Umbau so ideologisiert. Interessanter weise akzetiert die Dnekmalpflege den Demonstrativen Umbau.

Anderer Umbau wird auch sehr kritisch gesehen in der politisch korrekten Architektenschaft.

Was wenn es nur um Transformation geht? wenn der Ressourcen Charakter den aesthetisch historischen Charakter überwiegt ?

Der Umbau müsste dann den Bestand als Resource nutzen und damit lediglich als Ausgangspunkt für etwas Neues. Welche Teile alt oder neu sind ist wenn überhaupt nur beiläufig sichtbar. Der Umbau als solcher wird nicht groß thematisiert…

Wenn sie das unter denkmal gesichtspunkten sehen dann ist da ziemlich viel falsch gemacht worden niemand sieht wo alt wo neu ist bzw man muss schon ganz genau hinschauen.    

Was machen wir mit dem ganzen informellen Umbau den Menschen machen die sich dinge nutzbar machen ohne nach kunsthistorischer Einordnung zu fragen  

Solchen partizipativen  Umbau könnte man als eine Art Selbstbaubewegung begreifen, es soll bewusst unter Vermeidung hierarchischer Mechanismen eine Art allgemeiner Konsens erreicht werden.

Unser Dorf soll schöner werden wäre da eine Beispiel. Für Architekten nicht einfach und eben nicht nur weil ihnen dabei Honorar und Aufträge entgehen. 

Was wenn mit dem Umbau ein angenommener bzw ein ursprünglicher, oder einstmals vorhandener Zustand, erstmals oder wieder erreicht werden soll.

Wenn die Wiedererlangung eines Gefüges bzw einer Athmosphäre steht Vordergrund steht. Wir kennen das aus den vielen Rekonstruktionsbemühungen der vergangenen Jahre.

Möglicherweise gibt es noch viel mehr Umbauarten die sich mehr oder weniger stark von der Denkmalpflege unterscheiden.  Was ist Beispielsweise mit dem Unfertigen mit dem Vorläufigen?

Die Vorgehenesweisen im Denkmalschutz machen Sinn im Bereich der Denkmäler auf den Umbau übertragen werden diese Argumente zu moralischen Postulaten führen die uns mehr behindern als helfen.

Um zu einer für Umbau tauglichen Theoriebildung zu kommen müssten wir eine viel grössere Bandbreite zulassen Den ästhetischen und moralischen Begriffen von denen es im Bereich der Denkmalpflege nur so wimmelt müssten wesentlich fluidere inklusivere Zugänge gegenüberstehen…

Denn schliesslich sind  nur 2 % der Gebäude Denkmäler … das heisst auf jedes schlafende Dornröschen kommen 30 Geschwister die nicht durch Vorschriften, Dornenhecken oder das Denkmalgesetz geschützt sind.

Die Geschwister sollen auch gar nicht schlafen sie müssen wachsen sich entwickeln verändern und irgendwann möglicherweise auch wieder vergehen Die Beschäftigung mit Dornröschens nicht geschützten Geschwistern erfordert andere Mittel und Denkfiguren, als den Schlaf als im Wesentlichen ästhetischen Zustand zu überwachen.

Das wird notwendigerweise zu widersprüchlichen doppeldeutigen mit den Moralvorstellungen der Moderne und dem Denkmalschutz nur schwierig zu vereinbarenden Strategien und Vorgehensweisen führen.

Spätestens wenn gültige Theorien für Umbau entwickelt wurden dann werden diese Vorgehensweisen auf die Denkmalpraxis zurückwirken.

Das wird auch nicht ohne Konflikte mit dem Denkmalschutz zu haben sein.

Spätestens dann wird klar…

Denkmalpflege ist nur der Sonderfall des Weiterbauens.