Umbauen – Umgestalten – Umdenken


Als Winfried Nerdinger mich angesprochen hat einen Vortrag hier an der Akademie der schönen Künste zu halten hatte er glaube ich schon gemeint, dass es da auch über die Arbeiten meines Büros gehen sollte.

Ich habe mich aber dann dagegen entschieden über eigene Arbeiten zu sprechen, vor allem weil es nicht oft Gelegenheiten gibt vor solch einem Publikum zu sprechen das eben   …  so hoffe ich zumindest nicht am speziell architektonischen interessiert ist sondern einen breiteren Blick auf die Dinge hat die natürlich auch Architektur und Bauen betreffen.

Aber dennoch eben nicht nur

Ich spreche natürlich doch über mich selbst das lässt sich ja gar nicht vermeiden aber es soll nicht um die eigene Architektur im engeren Sinne gehen eher über meine Arbeit an meinem Lehrstuhl an der TUM

So ein Lehrstuhl ist natürlich insbesondere im Bereich der Architektur keine isolierte Veranstaltung … Ich verstehe UNIVERSITÄT aber schon als Ort an dem es neben der Lehre um eine Art der reflexiven Ausseinandersetzung mit den gesellschaftlichen Anforderungen an die Disziplin geht.

UMBAU

Es geht um Umbau das ist mir persönlich ein Anliegen auch wenn nicht alle Häuser die wir als Architekturbüro bauen Umbauten sind.  

Umbau hat und das ist mir wichtig eine besondere eine bedeutende politische Dimension.

Und das vielleicht besonders in einer Institution wie der Akademie der schönen Künste  die das SCHÖNE im Namen trägt und die KUNST

Besonders im Bereich der Architektur wird das Schöne häufig als das komplett Durchgestaltetegedacht als etwas über das man eine maximale Kontrolle hat und braucht  

Umbau dagegen ist immer etwas uneinheitlich immer widersprüchlich stets in Gefahr die Kontrolle zu verlieren    . eigentlich geht es bei Umbau ja meistens darum wenigstens ein wenig Kontrolle zu gewinnen  

Das ist vermutlich auch ein wesentlicher Grund warum Umbau immer noch für viele Architekten unattraktiv zu sein scheint… das ist schade weil Umbau an sich die Disziplin in der Architektur ist die heute aus meiner Sicht die grössten Freiheiten bereitstellt.

Man kann als Architekt im Bereich des Umbaus Dinge tun die im Bereich des Neubaus schon längst Geschichte sind davon später mehr.

Was ist umbau überhaupt ? … Umbau umfasst viel von der Sanierung bis zum Teilabriss  …. da gibt es sehr viele unterschiedliche Stadien und Definitionen  auch baurechtlich … und das ist interessant…  ist das gar nicht ganz genau geklärt was ein Umbau denn ganz genau sei.  

Wenn man mit einem umzubauenden Gebäude  beispielsweise zu einer Behörde kommt gibt es da jede Menge Gesprächsbedarf und Ermessensspielräume ab wann der Neubau beginnt und wo der Umbau endet das ist auch bei jeder Kommune ein klein wenig anders…

Es gibt keine widerspruchsfreie Definition von Umbau weder im kulturgeschichtlichen Sinne noch im juristischen Sinne

bereits das ist ein Hinweis das wir da gesellschaftlich ein irgendwie ungeklärte Punkte haben …

Mit gefällt der Idee am besten dass Umbau die Anpassung eines Bestandes an geänderte Anforderungen ist … das beinhaltet zumindest eine Abgrenzung zur blossen Sanierung … ist aber als Definition vermutlich zu weich … umfasst viele Dinge die Umbau erfassen müsste nicht.

Dennoch mag ich den Begriff der Anpassung.

Die Anpassung bestehender Häuser stellt heute die Ausnahme unter den Bauprojekten dar. Wenn wir uns nicht im denkmalgepflegten Sonderbereich bewegen wird da weit überwiegend abgerissen und neu gebaut wenn etwas anzupassen ist.

Das war nicht immer so: Bevor uns die Moderne leistungsstarke Abbruchgeräte und neue Baustoffewie Beton bescherte – also über die weit überwiegende Zeit der Architekturgeschichte –, stellte das Bauen im Bestand

der Umbau…  die Anpassung . . . den Normalfall dar.

Ich würde sogar soweit gehen zu sagen dass es unter den überkommenen vormodernen Gebäudenkein Gebäude gibt dass nicht mehrfach umgebaut wurde in diesem Sinne kennen wir vermutlich gar keine alten Neubauten schon der Gedanke dass ein Haus fertig sein könnte ist ein relativ junger Gedanke  

DAUER

Es ist vermutlich auch die Moderne, der die Vorstellung von

„fertigen Häusern“ entstammt, also von Bauten, die lebenslang in einer Art Idealzustand zu verharren hätten.

Erst die fortschreitende Industrialisierung der Branche lässt mit dem Wandel vom handwerklich reparierbaren Bauteil zum wartungsfreien Produkt Gebäude zu Objekten erstarren, die unabänderlich bestehen sollen.

Seither erwarten wir, dass ein Haus beim Erwerb ebenso „fertig“ zu sein habe wie beispielsweise ein Auto. Als Konsequenz unterliegen Gebäude (ähnlich wie PKWs) heute einem relativ kurzen Nutzungszyklus.

Was beim Auto problematisch ist (aber vielleicht noch angehen mag), führt bei einem Haus zu einer ungeheuren Verschwendung von Ressourcen.

Wir denken heute im allgemeinen schon nach 25 Jahren darüber. nach ein Haus wieder abzubrechen anstatt es anzupassen

Die Rechtsprechung tut einen wesentlichen Teil dazu diese Idee des fertigen Hauses zu verfestigen … indem sie Anforderungen an Häuser stellt die Umbauten nicht erfüllen können oft nicht einmal Neubauten …

Natürlich können und müssen Gebäudeteile, ja auch ganze Gebäude, manchmal ersetzt werden. Aber die Selbstverständlichkeit, mit der das heute gefordert wird, ist gewiss nicht richtig.

Wenn wir unseren Gebäudebestand instandhalten wollen und von einer Lebensdauer von 100 Jahren ausgehen müssten wir ca alle 20 Jahre sanieren das heisst ca 5 % unseres Gebäudebestandes pro Jahr sanieren umbauen etc … nun wird solch eine Umbaurate gar nicht erhoben

Die erhobene Sanierungsrate die wohlgemerkt nur Sanierungen und nicht Umbauten betrachtet liegt bei 1 % … die Bundesregierung will eine Sanierungsrate von 2 % erreichen. Das wäre immerhin ein Verdopplung wenngleich es bei weitem zu wenig ist um den Baubestand dauerhaft zu sichern….. vermutlich müsste sie verzehnfacht werden … aber dafür gibt es gar nicht die Firmenkapazität die das könnte …

Sagen wir einfach um ein vielfaches erhöht…

Nicht eingerechnet ist dabei auch die Frage wie lange hält ein Gebäude denn heute wirklich ? 100 Jahre sicher nicht… ich würde da gefühlt eher von 50 Jahren ausgehen…

auch das Umweltbundesamt (UBA) hält ein Umdenken im Bausektor für dringend notwendig. –

Schließlich wird für den Abbau von Mineralien und Erzen immer wieder intakte Natur zerstört, und die Ressourcen sind endlich. Zugleich fallen jedes Jahr 220 Millionen Tonnen Bauschutt, Baustellenabfälle, Boden, Steine und Straßenaufbruch an, Tendenz steigend

RESOURCE

 Die Menschen verwenden seit jeher die meisten der ihnen zur Verfügung stehenden Mittel für ihre Behausungen…  schon von Daher ist die Vorstellung, man könne auf diesem Gebiet beständig Substanz ersetzen,

weder ökologisch tragbar …. noch ökonomisch sinnvoll, zumindest wenn man das Problem ganzheitlich betrachtet.

Wenn wir das Ziel einer dauerhaften Entlastung der Umwelt und eines verantwortungsvollen Umgangs mit dem Baubestand der Bundesrepublik ernst nehmen wollen, dann führt wohl kein Weg an einer grundsätzlichen Frage an die zukünftige Baupolitik vorbei:

Wir müssen mehr Umbauen statt Neubauens.

Das würde man jetzt gerne mit Zahlen belegen aber das ist gar nicht so einfach weil diese Zahlen nirgendswo erhoben werden, selbst der diesjährige Baukulturbericht der Stiftung Baukultur der sich mit Umbau und Sanierung beschäftigt ist was Zahlen angeht erstaunlich dünn.

Man kann sich aber ein paar Annäherungen aus verschiedenen Quellen besorgen.

Wir haben in Bayern gut

3 Mio Wohngebäude davon gut 15 % Prozent vor 1950 gebaut.

25 % zwischen 1950 und 1970 gebaut

30 % zwischen 1970 und 1990 gebaut

Das heisst 750.000 Gebäude 1950 -70  sind jetzt 50 Jahre alt …

wenn wir die alle abreissen dann ist das eine unglaubliche Ressourcen Vernichtung.

Und dann nochmal  von 1970 – 1990. Das heisst  900.000. Gebäude sind also 30 Jahre und Älter

Das sind zusammen 1,6 Mio Gebäude …. über die Hälfte unseres gesamten Bestandes ist im Sanierungszeitalter.

Wohlgemerkt ich rede dabei nur von Wohngebäuden und nur von Bayern  vermutlich verschärft sich das ganze wenn ich Gewerbebauten einbeziehe weil die andere Zyklen haben vermutlich eher kürzere Zyklen ….

Dennoch mach es Sinn vornehmlich über Wohnungsbauten nachzudenken Wohnungsbauten haben zum eine am ehesten verlässliche Zahlen … sie sind die weit überwiegende Mehrzahl der Gebäude

Gewerbebauten sind häufig spezialisierte Gebäude und Sonderbauten wie Museen oder ähnliches stehen nicht so im Feuer wie der alltägliche Wohnbau.

Übrigens haben wir es auch in der Denkmalplege überwiegend mit Wohnbauten zu tun

Aber ich bin kein Denkmalpfleger … ich bin Umbauer  das ist nicht dasselbe … Denkmalpflege ist ein Sonderfall des Umbaus.

Aber aus meiner Sicht ist es vollkommen klar

Wir können nicht über die Hälfte unseres Wohnungsbestandes bzw vermutlich mehr als die Hälfte unserer Gewerbebauten einfach wegwerfen.

Warum eigentlich nicht ?

IKONOGRAPHIE

Wenn wir von Bauen im Bestand reden müssen wir im Wesentlichen zwei Bestände unterscheiden.

Einmal der gebaute Bestand, die Stadt, der Ort, das Bauwerk, die vorhandene Substanz im weitesten Sinne.

Zum anderen der gedachte Bestand, die Kultur, die Erinnerungen, die Vorstellung von Funktion oder Typologie: die Summe der Erwartungen die mit einem Bauwerk verbunden werden.

Bestand ist also wesentlich mehr als die physische Substanz eines Bauwerks.

Bauen muss also stets sowohl Gedachtes als auch Gebautes bewerten.

Das kann nicht ohne Verluste geschehen und so bedeutet Bauen immer auch ein Verschwinden von Substanz, und zwar sowohl in der gedachten wie auch der gebauten Welt.

Diesem Verschwinden muss ein Angebot gegenüberstehen: die Potentialität das Bauwerk wiederum zum Anknüpfungspunkt für anderes Gebautes und Gedachtes werden zu lassen.

Die entscheidende Frage ist die Bewertung dieses Angebotes.

Es geht dabei um die Auswahl welcher Bestand  bearbeitet wird, welcher betont, und wie die Arbeit in den Kontext eingeordnet wird. Hier wird deutlich daß Bauen einen beständigen Diskurs über Bestand, und seine Bedingungen darstellt.

Das halten viele für Geschmacksache 

ich glaube nicht dass es eine Geschmaksache ist sondern eine Anforderung .

Architektur hat sich jedenfalls seit der Moderne immer wieder als revolutionäre Veränderung zum Besseren betrachtet ..

Für die Gebäude heisst das sie werden immer wieder ersetzt ohne zu beachten dass damit auch die Verknüpfungen der Menschen mit eben diesen Gebäuden zerstört wird.

Es findet eine beständige Revolutionierung gebäudlicher Zeichensysteme statt.

Der Glaube an die Fähigkeit die Dinge nun endlich durchdrungen zu haben führte immer wieder zu einer Zerstörung  

Ich vermute man müsste diese Verknüpfung der Menschen mit dem Baubestand ernster nehmen…  gerade auch in unserer Arbeit über Neuperlach an meinem Lehrstuhl haben wir gesehen dass die Quartiere mit vermeintlich hässlicher Architektur oft eine sehr hohe Wohnzufriedenheit haben …

Und die Frage wer an welcher Stelle berufen ist über die Schönheit und Hässlichkeit von Gebäuden zu befinden ist eine sehr komplexe Frage…

Andererseits zu glauben dass uns die Frage der Aesthetik bei der Frage des Erhaltes von  Gebäuden hilfreich  ist ….  ist zumindest keine echte Option.

Wir werden Gebäude nicht erhalten können bloss weil manche sie schön finden … genauso wenig wie wir sie wegreissen sollten weil manche sie hässlich finden… so gesehen wird uns auch die Denkmalpflege nicht helfen …weil sie zwar richtigerweise auf Erinnerungswerte abstellt aber sich schon qua Definition nicht um die Gebäude kümmern kann denen eben keine Erinnerungswerte zugesprochen werden können.

1,4% der gesamt Gebäude stehen unter Denkmalschutz das merkt man zumindest statistisch bei meinem Anliegen kaum. Es ist zu wenig zumal wir mit den Nachkriegsbauten nun eine unglaubliche Menge an zusätzlichen Gebäuden bekommen die auf einen Schlag in das fragliche Alter kommen.

Wenn wir warten bis diesen Gebäuden Schönheit zugesprochen wird werden wir im Bauschutt ersticken …

Mir ist klar dass insbesondere die sog Nachkriegsbauten keine bedeutende Lobby haben….  sie machen aber einen großen Teil unseres Baubestandes aus und werden ein wesentlicher Teil der Substanz sein mit dem wir uns in den nächsten Jahren zu beschäftigen haben…

Es muss also noch andere Gründe geben …

Das Feld der ikonographischen Gründe ist ein interessantes Feld das zu weiteren Spekulationen Anlass geben sollte aber es wird nicht das Feld sein mit dem wir in relevantem Umfang Gebäude erhalten können.

Es gibt auch noch andere Gründe

Warum wird eigentlich nicht mehr Umgebaut ?

ÖKONOMIE

Ein wesentlicher Faktor sind die Kosten …

Umbau ist teurer als Neubau  Der Volksmund ahnt das schon lange und es ist auch so … Selbst Architekten behaupten bisweilen dass das nicht so sei auch die bayerische Staatsbauverwaltung hält Umbau nur dann für geboten wenn er nicht weniger als 30 % billiger sei als Neubau. Ein Wert der bei grossen Umbauten wenn sie ein halbwegs installiertes Gebäude betreffen nur im Ausnahmefall zu erreichen sein wird.

Vordergründig liegt das an vielen Faktoren zum Beispiel

einem höheren Handarbeitsanteil … oder an einer längeren Dauer der Baumassnahme … an einer schwierigeren Kalkulierbarkeit…  an verdeckten Kosten…

An Kosten die man erst sehr spät überhaupt feststellen kann…. auch an vielen Unwägbarkeiten die man im Umbau hat

Das sind Dinge die wird man nicht ohne weiteres ändern können …

Es liegt aber auch an veränderbaren Positionen:

Die Kosten eines Gebäudes sind kein absoluter Wert

Kosten werden auf eine Bestimmte gesetzlich festgelegte Art und Weise errechnet. Wir haben da eine Norm die Din 276

Und wie immer verfolgt Jegliche Festlegung natürlich ein explizites Ziel. Kosten nach der heutigen Definition sind die Kosten, die für den Bauherrn anfallen.

In Zeiten von Klimawandel und gesamt gesellschaftlicher Verantwortung wissen wir aber, dass natürlich nicht nur private Kosten beim Bauen anfallen sondern, dass jede Investorentätigkeit natürlich auch gesellschaftlich zu tragende Kosten verursacht …

Erst einmal ist das vollkommen normal, wir wissen dass unser Fleischkonsum gesellschaftliche Kosten verursacht wie zum Beispiel erhöhte Gesundheitsausgaben.

Wir wägen als Gesellschaft ab, dass uns die proteinreiche Ernährung wichtiger ist als die absolute Lebenserwartung und wir sind bereit die Kosten für die Krankenkassen zu zahlen… 

Daher gibt es zum Beispiel anders als bei Alkohol und Zigaretten deren Schädlichkeit stärker bewusst ist keine extra Besteuerung oder andere Abgaben auf Fleischkonsum.

Beim Bauen ist es ganz ähnlich wir betrachten ausschliesslich diejenigen Kosten die für den Privaten Investor anfallen. Die Gesellschaftlichen Kosten werden nicht eingerechnet.

In jedem Gebäude ist beispielsweise eine grosse Menge grauer Energie enthalten. Graue Energie ist jene Energie die ich benötige um das Gebäude herzustellen um den Beton zu produzieren und zur Baustelle zu fahren.

All diese Energie produziert CO2 und das entstandene CO2 und seine Folgeschäden werden selbstverständlich von der Gesellschaft übernommen und tauchen in der Kostenrechnung der Investoren gar nicht auf.

Das heisst würde man die Graue Energie als gesellschaftliche Kosten demjenigen der abbricht und damit natürlich beim Neubau nochmals CO2 erzeugt auch nur zum Teil in Rechnung stellen wäre Neubauen viel teurer.  

Das Problem verschwindet übrigens nicht wenn alle Energie Klimaneutral erzeugt werden würde

Das heisst mit der Art wie wir Kosten berechnen privatisieren wir die Gewinne und kollektivieren die Verluste.

Das bedeutet aber auch im Umkehrschluss gesamtheitlich betrachtet ist nicht umbauen zu teuer sondern Neubauen zu billig.

Und uns sollte klar sein dass wenn wir mehr umbauen wollen man die Graue Energie einrechnen könnte.

Das wäre  eine politische Möglichkeit um mehr umbau zu erzwingen die erstmal gar nichts mit Anderen Gesetzen zu tun hätte …

Diese Möglichkeit führt aber natürlich zu einer Abwertung von Gebäudebeständen das ist vermutlich mit keiner Partei zu machen…

Dennoch ist führt die vollkommen sinnvolle Forderung nach mehr Umbau wenn man es ökonomisch sehen will zu solchen Folgerungen .

So etwas müsste man natürlich organisieren das könnte man via einen Zertifikatehandel machen oder einen Umlagefond oder wie man das in der Denkmalpflege schon lange macht mit entsprechenden Abschreibungsmodellen

Die Art der Kostenberechnung ist natürlich nicht die einzige Auslöser für höhere Kosten im Umbaubereich … allein die Entsorgung von Material ist natürlich auch ein Gesellschaftliches Problem Bauschutt kann ich im Allgemeinen nur auf Deponien fahren.

Es ist annähernd jedem Klar dass Deponierung von Müll kein wirklich gutes Dauerhaftes Konzept sein kann auch hier könnte man vermutlich sehr leicht die Umbauquote anheben indem man Deponiegebühren den tatsächlich zu erwartenden Kosten anpasst

Auch eine Rücknahmeverpflichtung  der Hersteller könnte ein Weg sein so etwas haben wir an anderen Stellen durchaus. Das würde ganz nebenbei vermutlich die Recyclingquote deutlich erhöhen.

In jedem Fall müsste man beim Bauen bereits wesentlich stärker an die Entsorgung denken …

Es gäbe aber nicht nur Bedrohungen für die Gesellschaft

Und um es der Politik etwas schmackhaft zumachen gerade der höhere Handarbeitsanteil beim Umbau hätte wenn wesentlich mehr umgebaut würde relativ schnell einen Arbeitsmarkttechnischen Effekt insbesondere im Bereich der niedriger entlohnten Arbeit

Man könnte zumindest auf die Idee kommen dass es da auch einen volkswirtschaftliche Nutzen gäbe.

So oder so Zugegebener Massen die Baukostenbetrachtung ist etwas abstrakt…

Es gibt aber schon auch noch Fragestellungen die näher am Bauen und weiter weg von Volkswirtschaft sind.

LEGISLATION

Wir haben Gesetze insbesondere Baugesetze die für Neubau gedacht sind… das ist vollkommen verständlich insbesondere weil nach dem Krieg natürlich Wiederaufbau gefragt war.

Dennoch wenn wir wirklich glauben dass wir mit einer Gesetzgebung für Neubau dauerhaft günstigen Umbau machen können kann ich Ihnen als Umbauer sagen das wird nicht klappen.

Wenn wir heute einen Umbau machen müssen wir spätestens wenn die Nutzung geändert wird  die jeweils heute gültige Bauordnung einhalten

Im Grundsatz kann man das natürlich verstehen, Im Allgemeinen stehen dabei Sicherheitsaspekte wie Brandschutz im Vordergrund… Dennoch müssen wir uns als Gesellschaft schon überlegen wieviel wir für diese Art der Sicherheit denn ausgeben wollen,

Die Vorstellung ein haus müsste  nach einem Umbau an sich ein komplett Neues Haus sein ist einfach eine unsinnige Vorstellung

Das gilt sowohl für die Sicherheitsaspekte wie den Brandschutz 

aber natürlich auch für Fragen der Akustik für Fragen der Deckenhöhen an Arbeitsplätzen, für Deckendurchbiegungen und so weiter und so weiter…

Solange wir glauben beispielsweise mit immer mehr Brandschutz unsere Risiken senken zu müssen… vollkommen unabhängig wieviel Risiko da welchen Kosten gegenübersteht.

Solange wird sich Umbau nicht rechnen lassen

Es ist Einfach extrem aufwändig alle dreissig Jahre einen Bestand auf die jeweils neueren Baugesetzvorschriften zu heben…

Ich denke dass man über so etwas wie eine Umbauordnung als Pendant zur Bauordnungnachdenken müsste. Sie werden sagen dass die Entwicklung einer solchen Umbauordnung ein relativ langwieriges Unterfangen sein wird … das stimmt ich mache mir keine echten Illusionen darüber …

Dennoch  Ein kleiner Einwand aber vielleicht doch

als die Flüchtlingskrise auf dem Höhepunkt war und man glaubte nur durch schnelle Erstellung von Flüchhtlingsuntekünften dem Problem Herr zu werden schuf man in sehr kurzer Zeit neben einer ganzen Reihe von Erleichterungen einen weitgehend unbeachteten Ausnahme Tatbestand dass wenn gar nichts anderes gehe …  

Als letzter Ausweg, wenn  dringend benötigte Unterkunftsmöglichkeiten nicht oder nicht rechtzeitig bereitgestellt werden können,

sieht das Gesetz nun die Möglichkeit einer gänzlichen Freistellung von den Vorschriften des Baugesetzbuchs vor (§ 246 Absatz 14 BauGB).

Eine sogenannte Supergenehmigung.

Das Gesetz gilt immerhin noch bis 31.12. diesen Jahres.

Das möchte ich ja gar nicht fordern aber dort wurde relativ schnell relativ tief in das Baugesetzbuch eingegriffen

Ich würde mir gar nicht den Wortlaut wünschen mir würde die Tatkraft vollkommen genügen wenn man sie denn auf Umbau lenken würde

Zum Beispiel könnte man relativ einfach bis man sich an eine Umbauordnung herangewagt beispielsweise den Bestandsschutz  ausweiten… und zum Beispiel mit Bestandsgebäuden ähnlich verfahren wie mit denkmalgeschützten Gebäuden…

Im Bereich des Denkmalsschutzes ist man da eigentlich schon weiter man hat nicht nur andere Abschreibungsmöglichkeiten sondern auch Abwägungstatbestände die beim Erhalt von geschützter Bausubstanz helfen.

In jedem Falle müsste man für den komplexen Vorgang des Umbaus mehr Abwägungsmöglichkeiten schaffen

Um Abwägungsmöglichkeiten zu nutzen braucht man natürlich jemanden der abwägt als das heißt der diese Abwägungstatbestände nutzt im Bereich des Denkmals sind das die unteren Denkmalbehörden

Beim normalen Umbau müsste man vermutlich Behörden bevollmächtigen abzuwägen …  das wäre zwar möglich … wiederspricht aber natürlich dem Gedanken der Deregulierung… aber eine Möglichkeit wäre das schon.  

Die sogenannte Deregulierung der Bauordnungen hat nämlich im wesentlichen dazu geführt dass die Bauordnungsprozesse standardisierter geworden sind …

die Abwägung die immer ein Teil des Umbaus ist fällt dadurch zunehmend weg.  Das ist gerade für Umbau ein Problem

Eine Bauordnung ist veränderbar …

aber natürlich auch Ergebnis einer Gesellschaftlichen Übereinkunft,

solange wir unsere Schuhe wegwerfen und neue kaufen anstatt die alten zum Schuster zu bringen … solange fällt es uns möglicherweise schwer unvoreingenommen über Umbau nachzudenken.

Zumal das natürlich bedeuten würde  dass es in der Erstanschaffung Schuhe sein müssten  die man auch wirklich reparieren kann.

Wenn wir aber glauben dass wir uns eine Welt 2.0 herunterladen können wenn die alte aufgebraucht sein sollte wird sich da nicht viel tun.  

KOMFORT

Wir brauchen eine Umbauwende

Nicht zuletzt ist Umbau natürlich eine frage der gesellschaftlichen Haltung zu einer ganzen Reihe von Fragen wie zum Beispiel zum Komfort.

Wenn ich wie eben wieder geschehen als Architekt verklagt werde weil ich in einer sanierten Münchener Altbauwohnung den sogenannten erhöhten Schallschutz an einer Stelle der Decke nicht einhalten kann dann ist das natürlich Ausdruck einer Haltung mit der man keinen Umbau machen kann zumal ich den Prozess verloren habe.

Es müsste eine Umwertung von Bestand stattfinden.

Da könnte man nun in Teilbereichen Hoffnung haben wenn man Phänomene wie Manufaktumbetrachtet wo ja angeblich besonders qualitätvolle Produkte , die guten alten Dinge aus der guten alten Zeit verkauft werden-

 …aber ob das zu einer tatsächlichen gesellschaftlichen Relevanz kommt oder ob nicht eine Zalandomentalität nach dem Motto wenn die Schuhe kaputt sind kaufe ich mir einfach neue  … sich durchsetzt ist  so meine ich noch nicht klar zumindest nicht über alle Bevölkerungsschichten

Man muss auch ganz klar sagen

bei einer Umbauoffensive ginge es gar nicht um die guten alten Gebäude aus der guten alten Zeit … es geht um die ungeliebte Masse der Nachkriegsbebauungen mit zweifelhafter Bausubstanz und geringer ästhetischer Akzeptanz

Wir werden dabei über unser Bild von Fortschritt sprechen müssen

In Moment frönen wir einem Fortschrittsgedanken der alte Dinge systematisch dyskreditiert das heisst an sich glauben wir dass Fortschritt etwas ist was das alte ersetzt weil das neue besser sei …

das passiert ja nicht einfach so sondern diese Dyskreditierung hat natürlich die Funktion Wachstum voranzutreiben indem man das Alte immer wieder ersetzten muss.. letztlich ist das etwas das den Wirtschaftskreislauf so wie er ist am Laufen hält.

das ist ein Aspekt auf dem unsere Wachstumsidee basiert und die ein Wertschätzung des Bestandes systematisch verhindert

An dieser Stelle schliesst sich der Kreis zu den ikonografischen Gründen weil natürlich eine Neubewertung immer auch mit

einer Aufwertung

einer Wertschätzung

einem Umdenken einhergehen muss.

EVOLUTION

Auf Dauer ist die derzeit geübte gesellschaftliche Praxis des Abreißens und Neubauens nicht haltbar.

Anstatt Häuser als ersetzbare Objekte zu definieren, könnte es weiterführen, sie nach dem Vorbild der Biologie zu verstehen.

Genau diesen Gedanken legt Aristoteles nahe, wenn er sagt, wer ein Haus baue, tue genau das, was die Natur täte, würde sie gleichsam Häuser wachsen lassen. In früheren Zeiten waren Behausungen einem steten Wandel unterworfen.

Die Wartungszyklen waren wesentlich kürzer als heute. Ständig gab es etwas zu unterhalten, zu erneuern oder zu verbessern. In seinem ständigen Wandel glich ein Haus einem Organismus, der sich an unterschiedlichen Stellen langsam und in kleinen Schritten seiner Umgebung anpasst, wächst und sich entwickelt.

Häuser unterliegen einer Art Evolution

Wenn man Stadt mit einem Organismus vergleicht gibt es natürlich Gebäude die nicht überlebensfähig sind ..

Ja natürlich es gibt auch gebäude die man legitimer weise wird abreissen müssen und können …

Wann ist abbrechen erlaubt ?

Ansich ist die Argumentation die ich aufbaue vorwiegend ökonomisch…

Als Architekt ist mir durchaus klar dass das eine unübliche Argumentation ist  das heisst aber auch dass ökonomische Kriterien dazu führen können Häuser abzureissen.

Ich denke schon dass wir Kriterien entwickeln müssten wann Häuser abzureissen sind da käme zum Beispiel eine Ökonomisch zu geringe Dichte in Frage oder auch wenn Sie den ebenso dringend benötigten Freiflächen im Wege stehen.

Wenn Häuser Ikonographisch über lange Zeit gar keinen Fürsprecher finden ist das möglicherweise auch ein Hinweis darauf dass das Gebäude nicht haltbar ist.

Auch im Bereich des Komfort gibt es Argumente wenn Gebäude  längere Zeit nicht nutzbar gewesen sind.

Wir müssen uns aber klar machen dass das hohe Hürden sein sollten und nicht als Ausrede für Einzelinteressen genutzt werden können.

Und natürlich können solche Hürden nur Sinn machen wenn der Umbau nicht schon strukturell die schlechtere Wahl ist.

In diesem Sinne glaube ich dass wir Umbau als erstes mit Neubau verknüpfen sollte auch weil vermutlich weder die Umbauordnung noch die CO“ Steuer und damit die Kosten kurzfristig zu haben sein werden …

Wir dennoch aber Umbau werden bezahlen müssen … jenseits eines verbesserten Bestandschutzes

Man sollte bei einem Umbau mehr Baurecht bekommen, Baurecht das hilft die höheren Kosten des Umbaus zu bezahlen

So könnte man Umbau und die notwendige Verdichtung unserer Städte zusammendenken.

Dabei rede ich gar nicht von den Umbauten der Maxvorstadt … es kann nicht darum gehen in den ohnehin schon dichten Bereichen der Stadt den Dachgeschossaussbau voranzutreiben. Wenn dann müsste man schon wirklich höher bauen dürfen.

Das ist aber nicht der Umbau den ich meine … ich rede von den unglaublichen Mengen der Gebäudeproduktion der 60 iger und 70 iger Jahre.

Wir haben bei mir am Lehrstuhl eine Untersuchung über Neuperlach gemacht und machen jetzt auch weitere Untersuchungen über vergleichbare Grossiedlungen in ganz Deutschland

Und man kann schon feststellen dass diese Siedlungsgebiete erstens natürlich als sechziger Jahre Siedlungen vor einem ersten Sanierungszyklus stehen aber auch dass aufgrund der sehr geringen Dichten dort erhebliches Nachverdichtungspotential wäre… in Neuperlach leben über 50.000 Menschen es war geplant für über 80.000

Als Planer bestimmen wir die Ausnutzung eines Grundstückes mit der sogenannten Geschossflächenzahl. Das ist eine Zahl die das Verhältnis von Gebauter Fläche zur Grundstücksfläche angibt.

Die Maxvorstadt hat eine Dichte von 3.0

Neuperlach je wie man es rechnet von ca 1,0

das heisst wenn ich die Dichte von neuperlach auf 2,0 heben würde was nach unseren Untersuchungen durchaus möglich wäre wäre das zumindest rechnerisch eine Verdopplung der Personenzahl …

dort ist natürlich auch der finanzielle Hebel um Den Bestand zu sanieren,  umzubauen und vor allem zu verbessern …

Umbau alleine wird nicht reichen um den Menschen zu erklären worum es geht … durch den Umbau müssen die Gebäude in einem ganz landläufigen sinne besser werden

denn eines muss klar sein.

Wenn es uns nicht gelingt eine Verbesserung auch gerade in den Beständen herbei zu führen werden wir weder umbauen noch verdichten…  

Man könnte auch einfach erlauben bei Umbau Nutzungen zu erhöhen die man bei Neubau nicht bekommt

Das könnte auch helfen umbau zu finanzieren selbst unter den heutigen Bedingungen …

ARCHITEKTUR

Umbau hat nicht nur ein Finanzierungsproblem oder ein juristisches Problem Umbau hat vor allem auch ein Image Problem … umbauen ist einfach nicht sexy…

Das fängt schon bei den Architekten an die sehr häufig gar nicht umbauen wollen … oft haben gerade Architekten den Eindruck dass Umbau ihre Kreativen Möglichkeiten beschneidet.

Ich denke dass das Gegenteil der Fall ist   

Aber es geht bei Umbau um eine andere Art der Kreativität

Umbau braucht eine andere Kompetenz als Neubau …

ich glaube das umbau als generelles Verfahren dialogischer aufgebaut ist als Neubau

Es ist nämlich so dass neben den Planern und den Auftraggebern noch ein Weiterer Playerauftaucht das Bestandsbgebäude

Im ersten Schritt mag es sein dass dieser dritte mann einem zuallererst im Wege steht und einen Teil der Autorenschaft für sich beansprucht…

 das ist im ersten Schritt durchaus eine Bedrohung der eigenen Originalität

aber je nachdem wie geschickt man agiert kann der Dritte mann einem natürlich auch helfen …  man kann mit ihm Allianzen schmieden ….

er hat Gewicht und kann helfen Lösungen zu finden

Umbau muss Allianzen schmieden nicht zuletzt mit dem Bestandsgebäude

Ansich wird man da als Planer zu jemandem

der abwägt

der argumentieren muss

der so etwas wie eine gesicherte Basis hat …

Man kann umbau als eine Art dialog mit dem Bestandsgebäude begreifen

Ich glaube dass ein guter Umbau genau die Vorteile aus solch einem Dialog ziehen kann

Ich mache deshalb gerne Umbau weil Umbau Dinge ermöglicht die man bei Neubau niemals machen könnte.

Möglichkeiten an Räumen… 

an Vernetzungen…

an Flächengrössen…

an Flächenzuschnitten…

an Volumen.

Und gerade für uns Architekten die in einer durchstandardisierten Bauindustrie nur nochBauteilassemblagen erzeugen können schafft Umbau an sich  genau jene Freiräume deren Verlust wir immer beklagen …

Dennoch es stimmt

das wird zu selten deutlich es ist die Aufgabe von Architekten Bilder zu ersinnen hinter denen sich die Menschen versammeln können bei

Umbauten gelingt das zu selten

Umbau muss Vorteile haben und das muss natürlich komunikativ wirksam werden …

Ich glaube dass das systematisch so ist.

Ich glaube, dass Umbau helfen könnte verloren gegangenes Terrain bei den Architekten zurück gewinnen.

Ich glaube dass Umbau ein Reformprojekt einer Gesellschaft sein könnte

Ein Projekt das das konservative bewahren wollen und den innovativen Umgang mit dem Vorhandenen zusammendenken könnte  

Und so gesehen ein neues Bild von Zukunft vorschlägt.

Einer Zukunft die eben nicht nur technologisch dominiert ist

sondern daran glaubt dass man Fortschritt in das bestehende Leben integrieren muss

und vor allem dass man Fortschritt in das bestehende Leben integrieren kann…

Ohne dass das Alte dafür ersatzlos verschwinden muss