Reparatur als Systemoption

Stand 06.11.2024

Ich bin der Einladung zu diesem Vortrag gerne gefolgt, auch wenn ich es meist nicht schaffe mich an Vortragstitel zu halten. Das, ist umso peinlicher als ich den Titel vorgegeben bekommen habe.

Als Erklärung selbstverständlich nicht als Entschuldigung mag vielleicht gelten, dass Uta Hassler immer ein wenig dazu neigt meine intellektuellen Kapazitäten zu überschätzen und ich versuche das zu verbergen, indem ich einfach über etwas anderes rede.

Komplett entfernen will ich mich aber gar nicht, denn es gibt schon ein paar Aspekte von Reparatur, die uns so glaube, ich helfen könnten die Fragen von Bauen und Umbauen anders zu verstehen.  

Patrik Geddes der englische Planer der vorletzten Jahrhundertwende sah die Stadt weniger als ein Artefakt als vielmehr als einen lebendigen, sich entwickelnden Organismus,

Er meinte, dass dieser Organismus, Stadt, mit seiner Umgebung, mit seinen Bewohnern. in der Art eines Ökosystems interagiert.

Diese man könnte sagen organische Perspektive stammt wohl aus Geddes Ausbildung als Biologe und natürlich stammt sie auch aus dem Darwinismus, der um 1900 also zur Zeit des Wirkens von Geddes stark an Einfluss gewann.

Geddes übertrug die Prinzipien der natürlichen Selektion und Evolution auf Städte, wobei er betonte, dass Städte, wie lebende Organismen, sich an ihre Umgebung anpassen und so durch einen Prozess der „natürlichen Selektion“ entwickelt werden.

Heute glauben viele, dass der Einklang mit der Natur ein Ziel sei, und viele hoffen, dass wir uns in einen Einklang mit der Natur bringen könnten, ganz egal wie aussichtsreich man so ein Unterfangen auch immer beurteilen mag, die Naturanalogie hat gerade dank ihrer unbestrittenen Leistungsfähigkeit…  Eingang in unser Denken über Gebäude gefunden.

So sind wir es gewöhnt, Architektur von einem Beginn her zu denken, von einem anfänglichen Geburtsakt, von einer Art Schöpfer, der das Gebäude entwirft und ihm so ins Dasein verhilft. 

An sich eine schöne… eine poetische Idee … die Idee eines beginnenden Lebens, einer Architektur führt aber im Umkehrschluss sofort zu der Frage, ob Gebäude denn auch eine natürliche Lebenserwartung haben, denn mit der Idee der Geburt ist natürlich auch ein Tod verbunden.

Und tatsächlich, spätestens seit der Moderne sind wir es gewohnt, die Geschichte von Gebäuden, als Verfallsgeschichte zu beschreiben … der Zauber wohnt dem Anfang inne … danach geht es bergab.

Im besten Falle werden bestehende Gebäude renoviert, umgebaut, umgenutzt, aber irgendwann verfallen die Gebäude, …  ihre Lebenserwartung kommt an ein Ende…Sie werden teilweise oder ganz abgerissen und dann sind sie irgendwann auch wieder weg…

es geht um ein Leben mit einem definierten Anfang und einem unvermeidlichen Ende. Die einzige Frage, die es dabei gibt, ist wie lange, denn so eine Lebenserwartung eines Gebäudes wäre.

In einer so gedachten Lebensspanne ist Reparatur etwas, was man wohl braucht … aber nichts, was man gerne tut…

Reparatur ist doch bestenfalls ein Verzögern des Verfalls.

Und natürlich ist das blosse aufhalten des Verfalls mit deutlich weniger Distinktionsgewinn versehen ist als der Geburtshelfer.

Egal was wir auch tun das Gebäude strebt seinem Verfall zu und verschwindet … beziehungsweise wird zum Verschwinden gebracht.

Reparatur wird bei diesem Denkmodell zu einer Art Flickschusterei, … 

.. eine Flickschusterei, die im besten Falle den Verfall zeitlich etwas hinauszögert.

Wenn wir Substanz erhalten wollen, ist diese Sicht problematisch …

Das liegt vor allem daran, dass wir uns beim Schöpfungsakt vornehmlich auf den Beginn der Lebensspanne konzentrieren, allenfalls ist noch das Ende wichtig …

die Erschaffung und der Tod überstrahlen alles …

im Leben dazwischen,…

 ist der Organismus, … 

im Leben dazwischen ist das Gebäude mehr oder minder sich selbst überlassen

jeder Eingriff ist eigentlich ein Makel … proklamiert er doch lediglich die Dysfunktionalität des Gesamtsystems.

Diese Vorstellung hat zu verschiedenen Konsequenzen geführt.

Steuerabschreibungen wurden auf davon abgeleitete Zeiträume ausgerichtet.

Gewährleistungen wurden auf die entsprechenden Haltbarkeiten optimiert.

Selbst unsere Bauweisen sind auf eine angenommene Lebensdauer abgestimmt.

Je nach Gewerk ist der Ablauf der Lebensdauer mehr oder minder mitgedacht.

Die Komplexität wird noch dadurch erhöht, dass wir nicht für alle Bestandteile eines Gebäudes die gleiche Lebensdauer annehmen.

Die unterschiedlichen Haltbarkeiten müssen sehr kompliziert synchronisiert werden, damit das Gebäude über einen definierten Zeitraum funktionstüchtig bleibt,

das ist ein komplizierter Prozess, der seinerseits, die Zeit der Existenz des Gebäudes begrenzt.

Diese begrenzte Existenz führt interessanterweise auch dazu, dass wir die Betriebsperiode eher nicht im Zentrum unserer Architekturwahrnehmung sehen,

obwohl sie zumindest in der Naturanalogie das eigentliche Leben darstellen würde.

Die Betriebsdauer verbraucht die meisten Ressourcen…

mit der Betriebsdauer müssen wir am längsten umgehen,

aber der Gedanke der Lebensdauer führt eher dazu dazu, dass wir möglichst schnell einen neuen Schöpfungsmythos erzeugen wollen.

Wenn man also Gebäude erhalten will, …  sollte man sich vom Anfang und vom Ende unabhängiger machen und von den Erstellungsgeschichten eher zu Narrativen kommen die den Betrieb. …  Narrative die die Lebensdauer in den Mittelpunkt stellen.

Turritopsis Nutricula ist eine Qualle … ein Nesseltier

diese Quallen sind für uns vor allem deshalb interessant, weil sie erstaunlicherweise nicht sterben, ausser sie werden gefressen oder vertrocknen durch unglückliche Umsände.

Sobald die Turritopsos Nutricula in die Jahre kommt und ihre Körperzellen ihre Aufgaben nicht mehr optimal erfüllen, führt die Qualle eine Verjüngungskur durch.

Dafür sinkt sie zu Boden und regeneriert sich dort. Die Zellen verlieren ihre bislang ausgeübte Funktion, zum Beispiel als Nerven- oder Nesselzellen, und werden in ihr Ausgangsstadium, also in undifferenzierte Stammzellen zurückgeführt.

Wie in ihrer frühsten Kindheit besteht die Qualle daraufhin wieder aus lauter multipotenten Einheiten, die sich neu ausrichten können, …  neu spezialisieren können.

Der Alterungsprozess wird also umgekehrt und ein neuer Zyklus beginnt.

Turritopsis Nutricula durchläuft also einen Verwandlungsprozess … sie durchläuft eine Transition wie man das mit Walter Benjamin sagen könnte.

Ein neuer Zyklus beginnt und das Wichtigste ist eigentlich nicht die Transition selbst, sondern das Wichtigste ist der Lebenszyklus zwischen den Transitionen.

Wäre diese Metamorphose nicht genau das, was wir uns für Gebäude wünschen, würden?

Das von allen Funktionen…  ja sogar von seinem Zweck entkleidete Gebäude steigt wie Phoenix aus der Asche …

wird erneuert und existiert von da an weiter und das Ganze wiederholt sich …

Zyklus nach Zyklus nach Zyklus?

Das wird nur möglich sein, wenn wir den Zyklus als das eigentliche Ziel annehmen.

Und aufhören den Focus auf den einen primären Schöpfungsakt zu richten.

Wenn wir das täten, dann gibt es nicht den Urknall einer Schöpfung an dem alles begann, …

… sondern eher einen BIG-Bounce …

einen Durchgang durch ein offenes Szenario …

ein an und abschwellen von Nutzung

ein an und abschwellen von Benutzung

Gleich der Qualle könnte das bis auf den Rohbau entkleidete Gebäude für einen Moment als Ruine verharren …

in einer Art transitorischem Zustand, der sowohl das endgültige Vergehen als auch das Wiedererstehen in sich trägt und wenn wir dann in einen neuen Zyklus kommen, geht es eben nicht um die Erschaffung eines Objektes, denn das ist als Rohbauruine ja bereits da,

es geht nicht mehr um den Schöpfungsakt, und in der Folge wird der Zyklus das eigentliche Ziel.

Und wenn wir den Zyklus den Betrieb in den Mittelpunkt stellen, dann wird natürlich die Verlängerung des Betriebes zum Ziel.  

Eine solche Verlängerung erfordert beständige Pflege,

sie erfordert andauernde Reparatur.

Das erfordert aber eine andere Idee von Reparatur 

und an dieser Stelle geht es eben nicht um ein Aufhalten des Verfalls sondern um eine Verlängerung des Intervalls.

Dafür müsste sich nicht zuletzt das Bild von der Ruine ändern.

Die Ruine ist dann nicht mehr das romantische Vanitas Symbol,

nicht mehr das Mahnmal des Verfalls…

sondern die Ruine wird zu einem Zeichen des Übergangs

ein Transitionspunkt in dem für einen Moment der endgültige Verfall aber eben auch die Wiedergeburt denkbar sind

Die Ruinierung wäre ein wiederkehrendes … sich wiederholendes Ereignis, das immer wieder eine Art Übergang markiert.

Damit wie Hartmut Böhme es sagt, werden „Ruinen … zu freien Schauplätzen neuer signifikatorischer Akte“

Es geht also nicht um eine Neuschöpfung, sondern um eine Art Möglichkeitspunkt, von dem aus es wieder losgehen könnte,

ein Zustand zwischen Natur und dem dazugehörigen Verfall oder der Kultur als neuem künstlichem Objekt …

zwei Wege zwei Möglichkeiten

die einen Moment gleich wahrscheinlich sind.

Georg Simmel spricht von einer einzigartigen Balance der Ruinen.

Wenn wir uns also auf den Zyklus zwischen den Ruinierungen konzentrieren,

dann bekommt die Streckung des Zyklus eine ganz neue Bedeutung

aber das geht natürlich nur wenn wir uns auf die Reparatur als systematischen Verbündeten einlassen.

Es geht also weniger darum die Schöpfung zu feiern … als den Lebenszyklus zwischen den Tranistionspunkten der Ruinierung zu erzählen.

Wir müssten Gebäude radikal vom Betrieb her denken und konstruieren.

Nicht die Erstellung wäre wichtig, sondern der Gebrauch.

Betrieb wäre dann nicht mehr ein optimierter Ablauf in einem eigentlich nur zum Erschaffungsmoment optimalen Gebäude,

sondern Betrieb wäre das sich einpassen in Möglichkeiten.

Betrieb ist dann nicht mehr das Abwirtschaften eines Gebäudes, sondern das bewirtschaften eines Gebäudes.

Alle Teile des Hauses wären auf diesen Umstand auf dieses Ziel hin angepasst

Für solch einen Gedanken brauchen wir auch eine andere Idee von Reparatur, denn Reparatur ist eine kompliziertere Sache als Dinge heile machen.

In seinem Buch „Together“ unterscheidet Richard Sennett (2013) drei verschiedene Formen der Reparatur.

Als erstes spricht er von der Restoration.

Restoration ist gleichzusetzen mit der Wiederherstellung des Originalzustandes.

Diese Vorstellung ist der Traum die Schöpfungserzählung wiederholen zu können, eigentlich versucht sie den Schöpfungsmoment zu imitieren.

Das Ziel ist ein vergangener … ein idealisierter Zustand und um zu gelingen, muss die Arbeit sich selbst zum Verschwinden bringen.

Als zweites nennt Sennett die Remediation die man vielleicht, als Heilung übersetzen sollte natürlich verwandt der Sanierung … dem wieder gesund machen … auch das hat die Verfallsgeschichte zum Ausgangspunkt

die Heilung will mit der Verfallsgeschichte versöhnen… sie will die  Verfallsgeschichte noch einen Moment erträglich machen.

Bei Restoration und Remediation zeigt sich, dass diese Vorstellungen von Reparatur in unserer Welt ein Problem mangelnder Erotik haben.

Das liegt daran dass unser Denken zu sehr auf Sennetts Remediation oder Restoration und damit auf die Vergangenheit gerichtet ist.

Reparatur ist etwas das einen Mangel behebt und die Beschäftigung mit dem Mangel ist nicht so attraktiv wie die Schöpfung, zumal man sie logischerweise nie wieder erreichen kann. 

Aus diesem Grund verstehen wir Reparatur systematisch als Downgrade etwas Repariertes ist eine Veränderung der Schöpfung und damit natürlich nicht mehr rein.

Die Remediation ist zwar stärker gegenwartsorientiert als die Restoration und weniger ideologisch belastet, aber sie bleibt ein Surrogat

Als drittes und für uns am interessantesten nennt Sennett die Reconfiguration

In der deutschen Ausgabe des Buches unverständlicherweise mit Umbau übersetzt.

Aber bei der Reconfiguration geht es um etwas anderes…  es geht um eine Transformation, die von der Reparatur ausgeht,

Reparatur stellt dann nicht einfach den Normalzustand wieder her.

Sie transformiert die Dinge –

Nach der Reparatur sind sie nicht nur anders sie haben auch eine veränderte Wirkung.

Das heisst auch zu verstehen, dass die zu reparierende Technik nichts Fertiges…

Abgeschlossenes ist, sondern eine Art dauerndem Prozess unterliegt,

ein Prozess bei dem es Hoch und Tiefpunkte gibt.

Unser Technikverständnis orientiert sich an Perfektion und der Optimierung und lässt daher keine Schwächen zu,

bei der Reconfiguration geht es darum Technik als einen Innovationsprozeß zu beschreiben der nicht abgeschlossen ist.

Dann ist der Unterschied zwischen der Herstellung und einer Reparatur auch nicht mehr so gross,

zumindest nicht mehr vollkommen unüberwindbar

dann beginnen die Begriffe sich anzugleichen,

Mit dem Rückbezug auf den Schöpfungsakt ist unser Verständnis von Reparatur rückwärtsgerichtet,

denn wir wollen ja etwas wieder herstellen.

Reparatur hat aber das Potential etwas Neues aus dem Bestehenden zu machen …

… etwas zu erstellen!

Reparatur im Sinne einer Reconfiguration ist nach vorne orientiert und inkorporiert, was eine Technologie oder ein Gegenstand für die Zukunft bewirken soll.

Mehr noch sie macht Vorschläge, was ein Gegenstand für die Zukunft bedeuten könnte.

So gesehen ist Reparatur der eigentlich schöpferische Akt, die Reperatur wird zu einer Form der Kreativität

die Sachen verhalten sich nach der Reparatur anders als zuvor

ja mehr noch Reparatur hilft die Welt neu zu ordnen.

Wenn wir Kultur als eine Ordnung begreifen, ist es unmittelbar einleuchtend, dass nichts von selbst geschieht,

… mehr noch, dass allenfalls die Welt nicht in Ordnung verharrt,

… sondern ihre Ordnung dazu tendiert in Entropie, den natürlichen Zustand zu verfallen.

Das Normale ist eben nicht, dass alles funktioniert.

Die Ordnung ist ein künstlicher Zustand, den man beständig aufrechterhalten muss,

wir dürfen also nicht das funktionierende System als Normalzustand unterstellen,

sondern wir sollten vielmehr eine grundlegende Dysfunktionalität der Welt annehmen.

Erst dann wird deutlich, dass die Welt nur durch unermüdliches Reparieren am Laufen gehalten werden kann.

Wir brauchen eine Haltung zur Reparatur, die nicht auf die Frage des Erhaltens abstellt, sondern eine Reparatur die sich als eine Idee der Transformation versteht

eine Reperatur als  Ermöglichung von Zyklen, die ohne Schöpfungserzählung auskommen … beziehungsweise deren Schöfungsmythos in weiter Ferne liegt …

Das kollidiert natürlich mit unserem Wirtschaftskreislauf

das kollidiert mit unseren Versicherungen Gewährleistungen

das kolliediert mit unseren normativen Systemen, die letztlich alle auf Ersetzen ausgerichtet sind.

Mehr noch wir arbeiten beständig daran diesen Zerfall noch zu beschleunigen

Es ist geradezu eine der Maximen unseres Wirtschaftskreislauf das Bestehende

permanent in Misskredit zu bringen um es gegen etwas besseres

etwas neues auszutauschen …

es konstituiert unsere Wirtschaftsform, dass der Umschlag mit einer gewissen Geschwindigkeit passiert …

das Ersetzen des Bestehenden durch das Neue hält die Wirtschaft in Gang . . .

ja wir desavouieren das Bestehende, um den Kreislauf aufrecht zu erhalten wie Zygmunt

Bauman das nennt.

warum ist das so ? warum wollen wir eigentlich, dass Dinge Neu sind?

Auf der Seite der künstlerischen Produzenten ist das die Frage nach dem Createur dem Schöpfer…

die Frage nach der Autorenschaft.

Aus Sicht der Anbieter der Produkte geht es um Vorhersagbarkeit

es geht um Gewährleistungen um Garantien

es geht um ein stabiles Geschäftsmodell

Und nicht zuletzt die Konsumenten wollen die reine, ungebrauchte Sicherheit.

Die daraus folgende massenhafte Produktion neuer identischer Güter ist ja nicht zuletzt deshalb so erfolgreich, weil sie immer das Versprechen des Luxus für alle beinhaltet.

Denn Normen und Vorschriften, die aus den unterschiedlichsten Gründen das Bauen regulieren zeigen nicht zuletzt, dass wir mit Unsicherheit nicht wirklich umgehen können.

In der Folge werden auch unsere Gebäude immer genauer.

Auch die Gebäudefertigung ist immer präziser geworden.

Die Teile eines Gebäudes müssen so nahtlos ineinanderpassen, Dass es schwierig ist eine andere Kombination auch nur zu denken

Das heisst eben auch, dass wir unsere Systeme offener denken müssen.

Die Geschlossenheit unserer Technik duldet ja gar keinen Eingriff mehr

…wir werden uns an gewisse Toleranzen an einen gewissen Raumüberschuss gewöhnen müssen  

wir werden insgesamt ungenauer werden müssen, denn es braucht natürlich auch Konstruktionen, die zum Reparieren gedacht sind.

Eine Theorie des Reparierens müsste die Zykluslänge bedenken und eine Offenheit der Schnittstellen fordern. 

Eine solche Offenheit der Schnittstellen wird Auswirkungen auf gestalterisch ästhetische Faktoren haben.

Die Sichtbarkeit der Reparatur müsste ästhetisch verarbeitet werden

Bisher sehen wir das Neue als das Reinere und damit Bessere 

das Gute ist immer das höher entwickelte Einheitlichere.

Dafür bräuchte man informierte

gut ausgebildete Architekten die eigenverantwortlich Lösungen ersinnen,

ohne sofort Angst haben zu müssen die Haftung nicht zu überstehen.

Die Vorstellung die Welt als eine reparierbare zu denken ist auch kein Sparmodell,

sondern die Vorstellung, dass man die Dinge durch sanfte Reconfiguration verbessern könnte. 

Für die Berufsverbände sei angemerkt, dass in Kombination mit intelligenten Konstruktionen der Reparaturzyklus dabei nicht unbedingt zu geringeren Honoraren führen müsste,

aber vielleicht zu einer Verlängerung des Auftrags.

Nicht zuletzt dazu wird es Beispiele brauchen, hinter denen sich die Leute versammeln können,

und möglicherweise werden wir darauf noch einige Zyklen warten müssen …

Dann werden die Rohbauten die Ruinenkerne unserer Gebäude zu einer Möglichkeit einer resilienteren Welt

einer Welt, die sich beständig erneuert und durch

beständige Rekonfigurationsreperatur ihre Lebenszyklen verlängert.

das hiesse das Ziel der Kultur ist die Reparatur …

und eben nicht das fertige Produkt,

das wäre eine Reparatur die sich als Innovation begreift …

als Reconfiguration der vorhandenen Teile um so zu einem neuen Zyklus zu gelangen

Im Nebensatz sei gesagt, dass das dann aber auch Auswirkungen auf unsere Ideen von der Denkmalpflege hätte.

Will die Denkmalpflege die Objekte doch bewahren, wie sie zu einem bestimmten Moment der Geschichte sind…

diese Idee ist natürlich kontraproduktiv für unseren Zyklus …

Andererseits scheint auch klar, dass ein Gebäude nicht beliebig oft ruiniert werden kann..

es ist offenkundig, dass es Tippingpoints gibt an denen grosse Entscheidungen notwendig werden.

Kultur beschreibt so gesehen nicht nur die Ordnung der Welt,

sondern auch die Kraft zur Uminterpretation

.. und auch diese Uminterpretation findet an Transitionspunkten statt

vermutlich ist nicht zuletzt der Klimawandel ist ein solcher Transitionspunkt und wir werden esrt sehen, ob uns eine Streckung unseres Zyklus gelingt.

Aber erst wenn uns die innovatorische Kraft fehlt einen neuen Zyklus zu denken,

erst dann hat die Ruine ihre transitorische Kraft verloren

erst dann kann es zu keiner Reconfiguration mehr kommen

erst dann stirbt die Qualle

Ich danke Ihnen.