Das Material der Stadt

Vorwort für das Buch „Upcycling“ von Daniel Stockhammer

Materialgewordenes Zeichen zeichengewordenes Material

Man kann die Stadt als Reservoir lesen ein Reservoir von Zeichen und natürlich auch von Material. Üblicherweise versucht der Architekt entwerfend der Stadt mit neuem Material neue Zeichen hinzuzufügen.

So entsteht die Stadt aus der materiellen Substanz, die ein vieldeutiges immaterielles Zeichensystem bildet. Im Baustoff durchdringen sich Zeichen und Materie zu einem unentwirrbaren Amalgam. Urban Mining ist also nicht eine blosse Weiterverwendung von materiellen Ressourcen sondern erfordert auch eine Rekombination der vorhandenen Zeichenwelt. Es geht nicht nur um ein Verwenden der materiellen Substanz sondern eben einem Entwerfen mit der materiellen Substanz und der darin gebundenen Erinnerungen. Ähnlich einem Text entsteht aus bekannten Wörtern eine neue Bedeutung. Alles ist vorhanden aber das bedeutet eben nicht dass nichts mehr erfunden werden kann sondern es wird offenkundig dass das neue nur aus der Kombination des bekannten  entstehen kann. Dabei ist interessant wie sich Bedeutung und Material verbinden und ob die Zeichen wohl eine Idee von ikonographischem Urban Mining ermöglichen könnten.

Das Modell der Architektur als Sprache wird so auf seine Leistungsfähigkeit befragt.

Es stellen sich komplexe Fragen im Umgang mit Erinnerungen ebenso wie in der Entwicklung technischer Möglichkeiten. Die offenkundige Verknüpfung von Ikonographie und Material macht deutlich dass Recycling als downcycling nicht nur energetisch die schlechtere Variante ist: Recyclingbeton hat keine ikonographische Leistungsfähigkeit auch wenn der Beton aus einem noch so zeichenhaften Gebäude stammt. Insbesondere im didaktischen Umfeld ergeben sich daraus neue Möglichkeiten: ist es üblicherweise schwierig das Material das Studenten verwenden zu beschränken. Beim Urban Mining entsteht die Beschränkung von selbst und muss nicht aufwendig begründet werden es geht darum das transformative Potential zu nutzen und so zu einer neuen Kultur von Weiterbauen zu gelangen.