Gebäude Gebilde Gemenge

Gebäude Gebilde Gemenge

Betrachtet man die gegenwärtige Architekturproduktion so erscheint sie beherrscht von Objekten. Kaum ein Ding auf das man nicht Bezug nehmen könnte. Kisten, Wolken, Damenstrümpfe, auch eine unübersehbare Vielfalt von Blobs, Blasen und biomorphen Analogien wird zur Grundlage von Architektur.

Architektur nicht als Gebäude sondern als Gebilde.

Der Vorteil dieser Vorgehensweise liegt auf der Hand: Die einfache Wiedererkennbarkeit garantiert zumindest im Stadium des Entwurfes populistische aber natürlich auch publizistische Zustimmung. Eine stark betonte Orginalität  braucht wenig weitere Erklärungen und kann ohne Vorkenntnisse konsumiert werden. Dies macht einen großen Vorteil insbesondere im Wettbewerbswesen aus. Das Neue entsteht durch die Wahl eines bisher nicht für architektonische Zwecke adaptierten Objektes. Die Angemessenheit der jeweiligen Assoziation ist in den allermeisten Fällen nicht Gegenstand des Diskurses, es genügt eine vage verbalisierbare Verbindung zum Thema.

Die Alternative zum Gebilde bildet das Gebäude. Gebäude beziehen sich auf Häuser auf den Bestand der gebauten oder auch gedachten Architekturen um mit Aldo Rossi zu sprechen. Hieraus ergeben sich meist komplizierte und komplexe Bezüge die eine schnelle und dadurch breite Architekturrezeption behindern. Dass, Architekten die sich explizit auf Gebäude beziehen, ihre Vorbilder häufig in früheren Stilepochen finden erhöht den Widerstand, zumindest in der Architektenschaft, ohne gleichzeitig zu einer populären Diskussion zu führen. In der Tat ist ein Gebilde in der Architektur oft in sich etwas Neues und kann dennoch von jedem erkannt werden. Eine Architektur aus Gebäuden erscheint oberflächlich  betrachtet oft eher altmodisch oder erinnert im schlechtesten Fall an ungeliebte Architekturstile. Eine etwaige entwerferische Orginalität der Bilderwelt ist wesentlich schwieriger zu kommunizieren, muss sie doch zum einen eine Verbindung zur Sprachwelt der Gebäude finden, zum anderen etwas erkennbar Neues schaffen, das auch lesbar wird.

Es ist weniger die Absicht die beiden Vorgehensweisen gegeneinander auszuspielen als vielmehr zu versuchen ihre jeweiligen Möglichkeiten und ihre Schwierigkeiten darzulegen um so zu einer Bewertung und Einordnung der eigenen Arbeit zu gelangen

Gebilde

Die bereits erwähnte strukturelle Originalität des Gebildes zieht zwangsläufig die Schwierigkeit nach sich, dass das Gebilde die notwendigen Funktionen eines Hauses nicht ohne weiteres aufnehmen kann. Das Gebilde sperrt sich aber üblicherweise gegenüber allzu einfachen Versuchen die Gebrauchsfähigkeit herzustellen. Dies führt zu formalen und insbesondere auch technischen Erfindungen die gemacht werden müssen um die Brauchbarkeit des Gebildes zu sichern. Hieraus resultieren unterschiedliche Strategien der Integration gebräuchlicher architektonischer Formen in die Welt der Gebilde. Man denke nur an all die Schiebeläden und bündigen Fenster die benötigt werden um  beispielsweise das Bild der Kiste zu transportieren. Das Gebilde kommt auch daher natürlich so gut wie nie “rein“ vor, stets ist es schon aus pragmatischen Gründen, schon um es im architektonischen Kontext brauchbar zu machen ein wenig kontaminiert mit Anforderungen aus der Welt der Gebäude. Das Gebilde kann nicht ohne Gebäude einfach deshalb weil es im Allgemeinen eine Brauchbarkeit herstellen muss. Dazu ist es notwendig, dass architektonische Elemente integriert werden. Dies gipfelt in der Frage wo in der berühmten venturianischen  Ente denn nun die Tür sei und wie sie aussieht.

Je weiter sich das Gebilde von architektonischen Formen entfernt je weiter es in abstrakte Welt der Gebilde vordringt umso komplizierter und komplexer müssen die Erfindungen werden die zum einen die Benutzbarkeit sichern zum andern die technische Machbarkeit herstellen. Mit der Zahl der wirklichen Innovationen steigt natürlich auch das technische Risiko. 

Die technischen Risiken die man eingehen muss um ein Gebäude wie beispielsweise das Kunsthaus in Graz zu realisieren sind enorm. Aber je reiner die Form des Gebildes dargelegt werden kann umso höher der Grad der lesbaren Orginalität. Häufig wird das resultierende Risiko als hinnehmbar empfunden da der jeweilige Distinktionsgewinn einen zumindest intellektuellen Ausgleich verspricht.

Gebäude

Anders beim Gebäude hier sind die technischen Risiken geringer ist es doch möglich sich auf Bilder zu berufen die zumeist einen großen Teil der technischen Schwierigkeit bereits bearbeitet haben. Die Schwierigkeit besteht eher darin die Technik so an die jeweiligen Gegebenheiten anzupassen, dass das ursprüngliche Bild nicht verloren geht. Dies Bedarf natürlich auch der  technischen Erfindung aber in einem wesentlich unspektakuläreren Ausmaß. Zumal die Frage der Benutzbarkeit im Allgemeinen geklärt ist. Das Gebäude kommt auf den ersten Blick ohne Gebilde aus, zumindest wenn dem Verfasser das vorhandene Vokabular ausreicht. Dies ist jedoch selten der Fall vermutlich auch deshalb weil die bloße Kombination bisher nicht zusammengefügte architektonischer Bilder einer  großen Bildung beim Betrachter bedürfen um eine etwaige Originalität überhaupt zu erkennen. 

So wie dem Gebilde die Brauchbarkeit zuerst einmal fehlt in ebenso diesem Ausmass fehlt dem Gebäude die Originalität. Möglicherweise gibt es auch hier eine Beziehung zwischen dem sinkenden technischen Risiko und dem Verschwinden der Originalität, aber die Fragestelllung wie Innovation im Bereich der Gebäude entsteh ist nicht einfach zu beantworten.

Wie kommt das Neue in die Architektur

Ganz allgemein ist die Frage wie das Neue in die Architektur kommt nicht ganz einfach zu erklären. Zumeist wird auf das Modell der Neukombination abgehoben. Was ist der Sprache gut funktioniert wer würde ernsthaft fordern neue Worte zu erfinden weil mit den alten bereits alles gesagt sei, stellt sich in der Architektur nicht so einfach dar weil zum einen gar nicht alles mit allem kombiniert werden kann und zum andern die Inhalte überhaupt nicht so trennscharf formuliert werden können.

Die zweite vielleicht noch wichtigere Frage warum kommt Innvation in die Architektur. Warum scheint einfach beantwortet Zumeist wird die Funktionalität bemüht, dabei wird übersehen, daß nur wenige Anforderungen hinzugetreten sind. Das Wohnen zum beispiel hat sich zwar flächenmäßig vergrössert als neue Anforderung ist in den letzten Jahrzehten aber vermutlich lediglich die Betonung des Elementes Balkon hinzugetreten. Viel wahrscheinlicher liegt das Warum im Architekten selbst begründet.

Spätestens seit die modernen Betonung der individuellen Künstlerpersönlichkeit auch auf Architekten angewendet wird, ist es nicht mehr möglich bekanntes einfach zu übernehmen, es braucht einen aktiven Prozess der Inbesitznahme. Dabei ist es für den Moment unerheblich ob diese Inbestitznahme bewusst oder unbewusst erfolgt.

Eine Möglichkeit der Inbesitznahme (vermutlich unter vielen ist die positiv besetzt die Verfremdung, oder negativ gesagt die Verwischung der Spuren

Die Verfremdung des Bekannten bis es orginell ist bei dem Gebilde ist dies wiederrum dem dem Auswahlprozess inhärent bei dem Gebäude geht dies nur bis zu einem gewissen Punkt. Solange zu verfremden bis man das ursprüngliche Vorbild nicht mehr erkennt. Dies könnte nun durch überlagerung mit archtektonischen Bildern geschehen. Möglicherweise ist ein solches Vorgehen in einigen Spielarten des Klassizismus denkbar, für die breite Erklärung von Innovation in der Architektur taugt es nicht.

Die offenbar einfachste Methode Gebäude zu verfremden ist aus der Welt der Gebilde formale Elemente einsickern zu lassen, die Gebäude sozusagen mit ein wenig Gebilde zu kontaminieren.

So wie Elemente des Gebäudes die Brauchbarkeit des orginellen Gebildes sicherstellen so stellen Elemente des Gebildes die Orginalität des ansich brauchbaren Gebäudes sicher.

Was entsteht sind Gemenge, Gemenge die einmal vom Genilde kommend sich auf den Weg zum Gebäude machen zum anderen  

Man kann die Arbeit von Hild und K lesen als einen Versuch die Grenze zwischen Gebäude und Gebilde abzuschreiten, die Leistungsfähigkeit der jeweiligen Systematik zu untersuchen.

Dies begann mit Arbeiten über das Ornament die jeweils versucht haben ein Urarchitektonisches Thema zum Gegenstand ….. zu machen

Eine bessere Möglichkeit zu Erklären wie Neues in die Architektur einsickert ist erscheint uns der Begriff der Kontamination

Ist in der Welt der Gebilde das Neue bereits in der Wahl des zu bearbeiteten Gebildes garantiert so entzieht sich die Transformation von bestehenden Architekturen, dem schnellen interpretatorischen Zugriff, öffnet aber wenn sie gelingt ein breites Assoziationsfeld, das auf lange Sicht zumindest ikonographisch nachhaltiger erscheint.

In diesem Zusammenhang könnte es interessant sein Gebäude in Hinblick auf ihre vorgeschlagenen Innovationsstrategien hin zu untersuchen.

Es gibt vermmulich eine Ganze Reihe von Innovationsstrategien wenn gleich die Zahl vermutlich endlich und nicht sehr gross sein dürfte.

Das Modell der Kontamination

Architektur als Sprache

Die skizzierte Vorstellung von Gebäuden und Gebilden beschreiben ein Denkmodell das der Architektur eine sprachliche Komponente zumisst.

Dabei geht es nicht unbedingt um eine allgemeine Verständlichkeit sondern eher um ein Denkmodell wie der Umgang mit architektonischen Formen erfolgen könnte. Die präzise Verständlichkeit ist schon deshalb gar nicht so wichtig weil es je nach Architekturbüro möglicherweise gar keine präzise Botschaft gibt die transportiert werden sollte. Das heißt das Bild mit dem die Architektur produziert wird ist nicht notwendigerweise identisch mit dem Bild als das sie rezipiert wird. Es ist möglich sich Entwurfshaltungen zu denken die ähnlich dem Kuhstall von Lequeue eine 100% Verständlichkeit einfordern, oder als anderes Extrem die frühen Coop Himmelblau die wohl beeinflusst von Castaneder Entwurf im Rausch …den Zusammenhang zwischen Ausdruck einem evt. Formwille komplett abgelehnt haben.  

Gemenge

Die Arbeit mit dem Ornamentalen garantierte Mitte der neunziger Jahre eine mögliche Auseinandersetzung mit Gebäuden an denen das damals immer noch verbotene Ornament eine Möglichkeit darstellte mit einem Element aus der Architektur die gefundenen Gebäude zu verfremden, dies auch der Grund warum, die Ornamente zum Teil übermasstäblich gross verwendet wurden, oder einem technischen Verfremdungsprozess unterzogen wurden.

Das Ornament wurde aus der Welt des Gebäudes kommend als eine Art Verfremdungstrategie für Gebäude verwendet. Das Ornament wurde dabei eher als Gebilde dgesehen als in seinem kunsthistorischen Bedeutungskontext.

Die Gebäude wurden so mit etwas Gebilde überlagert man könnte sagen kontaminiert. Die Ornament verwendung 15 Jahre später hat sich grundlegend gewandelt heute ist das Ornament entweder Kollhoff oder eine Tapete die dem Gebilde einen Maßstab verleihen soll.

Dies ist insofern von Bedeutung als diese Strategie der Kontamination.

Es entsteht etwas das nicht mehr wirklich Gebäude aber auch noch nicht Gebilde ist  wir nennen dies Gemenge.

Die Arbeit von Hild und K lässt sich als der Versuch lesen die Möglichkeiten und Grenzen dieses Denkmodell auszuloten, dabei stellt die häufig zitierte Verwendung von Ornamenten nur ein Feld der Recherche dar.

Die Frage könnte lauten wieviel Gebilde ist notwendig um Gebäude weiterzuentwickeln.