Stadtentwicklung zwischen Denkmalschutz und Zukunftsfähigkeit“
Der dritte Weg
Stadtentwicklung zwischen Denkmalschutz und Zukunftsfähigkeit
Dieser Titel suggeriert dass Denkmalschutz und Zukunftsfähigkeit die Pole einer Scala wären ob das so ist, ist eine interessante Frage, die es zu prüfen gälte
Beginnen wir mit der Zukunft:
Stellen wir uns für einen Moment vor jemand hätte heute morgen den Begriff Zukunft und Architektur bei Google eingegeben.
Was er wohl gesehen hat ?
Ich sage es Ihnen Grüne bewachsene amöbenartige Gebäude die meist in Gruppen in einer grünen Landschaft stehen oder beispielsweise auf dem Meer schwimmen … Gebäude wie fischartige Tiere … geschwungen biomorph wabernd …
Hätte man heute vor 15 Jahren Zukunft und Architektur gegoogelt hätte man vermutlich die gestapelten Landschaften von MVRDV gesehen und was die Expo an Absurditäten sonst noch so zu bieten hatte,
und hätte man in den 70 iger Jahren schon googeln können hätten die Häuser die wir heute haben längst fliegen sollen…
In Wirklichkeit fliegt gar nichts …wir leben immer noch in Städten und im Gegenteil wir sind im wesentlichen damit beschäftigt die Gebäude der 70 iger Jahre die sich als kaum sanierbar erweisen halbwegs sinnvoll in unsere Städte zu integrieren wenn sie nicht gar abgerissen werden müssen weil man sie einfach nicht mehr brauchen kann und die sind grad mal 40 Jahre alt
Das Bild das sich Architektur von der Zukunft macht
Das Bild das Die Menschen sich von der Architektur der zukunft machen wandelt sich schnell …
zu schnell als, dass es Sinn machen würde nach diesen Bildern zu bauen
Wie sagte Mies van der Rohe ? man kann nicht jeden Montag eine neue Architektur erfinden.
Die Stadt ist etwas das hier Widerstand leistet das reale Bauen ist mühsam es geht allen Ankündigungen zum Trotz immer noch sehr langsam
und das ist gut so denn für das Bauen wenden die Menschen seit jeher die grössten Resourcen auf sei es Geld oder Material möglicherweise sogar emotion.
Bauen : So etwas macht man nicht schnell mal eben …
Was heute Zukunftsfähig heisst ist morgen modisch und übermorgen aus der Mode … die Welt ist voll von Ruinen von zukunftsfähigen Architekten und Investorenträumen … die von einer besseren Welt berichten…
Denkmalschutz ist das Gegenmodell
Es ist wie in dem Märchen vom Dornröschen. Die schwarze Fee will das Haus abreissen … da tritt die gute Fee auf auf den Plan sie kann das Dornröschen aber nicht ganz retten der Todeszauber ist zu stark … und so versetzt sie es in einen Schlaf … sie nimmt es aus der Welt und versetzt es in eine Art Schwebezustand …das Dornröschen ist nicht tot es ist aber auch nicht ganz lebendig, eine Dornenhecke aus Vorschriften und Beschränkungen schützt es . So wird es in einem aus der Zeit genommenen Zustand gehalten …
und natürlich genauso wenig wie man sich eine Stadt aus fliegenden Gebäuden wünscht genau sowenig kann es darum gehen eine ganze Stadt mit Dornenhecken zu umgeben.
Zukunft – Denkmalschutz
Vermutlich eignen sich beide begriffe nicht sehr gut um sie zur Grundlage von Stadtplanung zu machen wenn wir genau nachdenken kann man keines von beiden wünschen…
Denn Stadt ist heute … Architektur ist jetzt… heute ist die zukunft von gestern und die gute alte Zeit von morgen …
Die Idee der Stadt ist eine Glücksmaschine Eine Idee dass die Summe mehr ist als die Addition ihrer Teile eine Stadt hat nicht nur Vorteile aber die Nachteile der Stadt werden von den Vorteilen aufgewogen …
Es geht den meisten Leuten besser… es geht der Mehrheit in der Stadt besser … nicht allen .
Im grossen auf die gesamte Stadt gesehen funktioniert das.
Im Individuellen ist Stadt mühsam viele Player unterschiedliche Interessen … unbequem…ein Nachbar der etwas nicht will … ein Baurecht das etwas nicht hergibt … eine Bevölkerung die etwas nicht versteht.-.
Stadt ist immer ein Steingewordener Kompromiss und auch das ist gut so. Das wird sich auch nicht ändern wenn wir versuchen Stadt als Ihre beiden Extreme zu denken
sozusagen museal versus avantgardistisch so ist stadt nicht gedacht …. zumindest eine Stadt wie München ist nicht so gedacht.
Wie könnte man Stadt dann denken wenn die beiden Pole nicht geeignet scheinen
Ich denke wir brauchen da einen dritten Weg.
Stadt lässt sich als Beziehung beschreiben.
Man muss der Stadt etwas geben und nicht nur verbrauchen
man muss etwas hinzufügen und nicht nur hoffen von ihr reich gemacht zu werden.
Planung sollte diese Beziehung regeln
Un wie so oft finden die entscheidenden Fragen im Kopf statt …
welchen wert messen wir den dingen bei …
wie bestimmen wir diesen wert
wert besteht aus vielen parametern in unserem Falle beispielsweise aus dem grundstückswert
dem substanzwert dem überlieferungswert dem denkmalwert dem gestaltswert dem Ertragswert dem Anschauungswert dem gebrauchswert …
Welcher Wert überwiegt … welcher ist weniger wichtig…
welcher Wert den Ausschlag gibt ist ein Abwägungsprozess …
die verschiedenen Player haben da selbstverständlich unterschiedliche Positionen …
und Stadt ist genau dieser wahnsinnig mühsame Ausgleich dieser Positionen
Es ist also alle gut ?
Nein gar nichts ist gut … wir haben jede Menge Schwierigkeiten …
Und ein Großteil dieser Schwierigkeiten kommet daher, dass wir alle zusammen den Abwägungsprozess nicht transparent vollziehen. Die Diskussion um dieser Werte wird nicht offen geführt. Es wird viel zu sehr im Einzelfall entschieden es fehlt eine grosse linie.
Die Bewertung obliegt aber uns allen sie obliegt der Stadtgesellschaft …
Dabei ist der Investor ebenso ein player wie die Stadtplanung oder wie die Bevölkerung,oder wie die Menschen
Institutionen wie das Landesamt bringt ensembleschutz ein … auch das Baurecht ist ein Parameter
auch die Architekten sind teil dieses Prozesses .
aber nicht jede Stadt kann alles … bloss weil sie nicht alles kann ist sie noch lange kein museum dennoch … wir müssen diskutieren was sie können soll…
es wird nämlich nicht alles per se besser wenn wir nichts mehr abreissen und es wird auch nicht alles besser wenn wir noch im letzten Erdgeschoss einen weiteren Filialisten haben …
nicht mal die Bürgermitbestimmung ist die Lösung weil Planung mitunter unpopulär ist … unpopulär sein muss … andererseits geht es selbstverständlich um Erklärung…
Die Investoren müssen den menschen plausibel machen dass eine Investition nichts schlechtes ist sondern eine notwendige und gute Weiterentwicklung der Stadt
und ja in diese Diskussion müssen Architekten Bilder einbringen die die Menschen emotional und eben auch formal mitnehmen auf dem Sektor sind wir nicht gut.
und ja die bürger müssen verstehen dass Architekten nicht vorderhand dummes Zeug machen um reich zu werden und Investoren nicht vorderhand böse sind
So oder so geht es um eine Bewertung von Stadt … Wert ist zuallererst mal etwas sehr emotionales … welchen Wert messe ich etwas bei ?
erst im zweiten Schritt wird dieser Wert eingepreist.
Die Frage ist auch welchen Wert geben wir unserem Stadtbild meine Haltung ist dabei sehr vorsichtig vorzugehen …
Niemand kommt auf die Idee in Rothenburg ob der Tauber am Marktplatz eines der Fachwerkhäuser abzureissen … und die eignen sich nur schlecht für viele Nutzungen … niemand kommt auf die Idee ein Haus in der Altstadt von Regensburg abzureissen weil es nur eine Geschosshöhe von 2.10 hat_ …
Ja werden sie sagen Rothenburg … Regensburg das ist doch ganz etwas anderes …
Nein sage ich ihnen es ist nichts anderes Rothenburg und Regensburg sind nur anders eingeordnet … wir als Gesellschaft haben uns anders entschieden .. und aus dieser Entscheidung folgen dinge .
Wenn wir uns morgen entschieden dass im Altstadtensemble von München Bestimmte Häuser nicht mehr abgerissen werden dürften … wäre das eine klare sache .. Investoren könnten damit umgehen … das würde nämlich eingepreist wie man so schön sagt. Jeder weiß woran er ist.
Ja sagen Sie das ist doch politisch nicht durchsetzbar … stimmt vermutlich, aber doch nur deshalb weil der Wert den das Altstadtensemble darstellt nicht in dem Masse gesehen wird wie ich das hier fordere. Das ist ein revolvierender Diskussionsprozess ich weiss.
Persönlich hoffe ich dass hier ein Umdenken einsetzt weg vom Einzelfall hinzu einer Gesamtstrategie dafür werbe ich.
wenn wir aber weiter grundstücke verkaufen und eben nicht sagen was dort möglich ist
in der Hoffnung dass man dadurch einen höheren Preis erzielt…
und das machen Stadt und Land gleichermassen … dann muss ich mich nicht wundern dass der Investor hinterher druck macht …. und abreissen will… er hat nämlich einen hochspekulativen Preis gezahlt …er kann gar nicht anders.
wenn wir da klarer wären was wir wollen wäre es für alle beteiligten einfacher
wir und damit meine ich die Stadtgesellschaft müssen uns klar positionieren ist unsere Stadt so wie sie ist erhaltenswert oder nicht … ich glaube dass unsere Innenstadt erstmal wesentlich bedeutender ist als die meisten glauben … ja der magere 50 iger jahre Klassizismus des wiederaufbaus ist sperrig und nicht leicht zugänglich… und dennoch den umgang damit können wir eben nicht dem freien Markt überlassen weil er es eben nicht regelt … das war immer schon so …
das muss die Stadtgesellschaft regeln… auch das war schon immer so…
Stadt muss viel visionärer gedacht werden … aber nicht in Bezug auf die Fassaden sondern in Bezug auf die Räume die sie anbietet … es geht da um Gestaltung nicht um Rechte wahrung …
Richtig es kann nicht alles erhalten werden … aber muss deshalb alles zerstört werden ?
Ich weiss jetzt kommen wieder die die erklären seit Olympia sei nichts grossartiges in München gebaut worden. Ich glaube dass das ein zutiefst absurdes Argument ist. Und nicht deswegen weil Olympia ein besonderes Ereignis war sondern weil sich Olympia sein Ensemble eben selbst gebaut hat und man ist zurecht sehr vorsichtig wenn man dort eingreifen will. Es ist zurecht ein denkmal wo niemand auf die Idee käme endlich mal etwas ordentliches dazwischen zu bauen, bespielsweise mal ein richtig schönes Backsteinhaus … und genauso ist es mit unserer Stadt auch da ist Kontextualität ein Wert und jenseits der Frage wieviele gute Häuser seit 1972 in deutschen Innenstädten gebaut wurden geht es eben nicht darum dass das einzelne Haus besonders toll sei sondern das tolle ist das Ensemble der Stadt.
Die Stadt bietet den Hintergrund für unser Leben auch für unsere Architektur, und natürlich verträgt Stadt auch den einen oder anderen Kontrast.
Kontrast hat aber erst einmal gar nichts mit Zukunftsfähigkeit zu tun sondern Kontrast hat damit zu tun den Hintergrund zu nutzen um im Vordergrund zu stehen das ist erst einmal zutiefst unstädtisch.
Natürlich ist das möglich aber ein Kontrast ist eben eine Ausnahme vor dem Hintergrund … wenn der Kontrast zur Regel wird ist er der neue Hintergrund …
Sehr häufig wird Kontrast mit Mut assoziert. Mut schon wieder ein
schwieriger Begriff in Zusammenhang mit Architektur
Wir müssten nämlich darüber reden wem gegenüber man mut beweisen will … innerhalb der Architekten comunity beispielsweise ist der Kontrast viel weniger mutig als als ein verschwinden im Hintergrund.
Zukunftsfähigkeit hat erstmal nichts mit Kontrast zu tun sondern mit einer Nutzung und Denkmalschutz hat nichts mit einem lebendigen Hintergrund von Stadt zu tun sondern mit dem Schutz einzelner Gebäude.
Ich glaube daß wir Stadt integrativer denken müssten
Sozusagen moderater, weniger von den Extremen her es geht darum ob es uns gelingt die unterschiedlichen Ansprüche zu integrieren, und zwar im Neubau genauso wie im Umbau im Denkmal genauso wie im Ensemble.
…
Ich frage mich warum es nicht möglich sein sollte Mut zu beweisen indem man ein bestehendes Haus in einen Neuen Kontext einwebt, Mut könnte heissen das Ensemble und die bestehende stadt ernst zu nehmen und als einen Wert zu begreifen den es zu verteidigen gilt.
Das gilt für Investoren und Architekten gleichermaßen.
… Mut könnte auch sein dass man auf Kontrast verzichtet und dennoch ein gutes neues Haus baut
das können nicht viele …zugegeben aber es könnte ein ziel sein es könnte jener dritte Weg sein auf dem die Stadt
wie der Prinz mit dem erwachten Dornröschen in die Zukunft schreitet.