Architektur und Stadt

Konferenz zur Schönheit und Lebensfähigkeit der Stadt Dortmund 2012

Wenn wir von Stadt reden welche Stadt meinen wir?

Ich glaube es gibt viele Arten von Stadt,

Möglicherweise ist allen Städten gemeinsam dass sie auf Verabredungen

beruhen,

Verabredungen sozialer Natur

Verabredungen wirtschaftlicher Natur

Verabredungen Kultureller Natur.

Je nach Art von Stadt können auch einzelne Verabredungen beim jeweils

anderen Typus von Stadt mehr oder weniger betont werden.

Ganz offenbar ist die formale Verabredung in Tokio eine andere als in Mailand.

Vermutlich ist auch die soziale Verabredung eine andere

und auch die wirtschaftliche

und auch die kulturelle Verabredung wird sich vermutlich unterscheiden….

Verabredungen entfalten ihre Qualität nur wenn, die, die sie treffen sich an

ebendiese Verabredungen halten.

Das ist einfacher gesagt als getan.

Seit geraumer Zeit können wir einen Errosionsprozess bei der

Verabredungstreue bezüglich unserer Städte feststellen.Vermutlich gibt es dafür nicht nur einen Grund und die Ursachen sind vielfältig.

Es ist aber interessant warum ein grosser Teil der Architekten

und auch der architekturmedien

und auch der Politiker

und vieler anderer meinen dass Verabredungen in diesem Bereich nicht mehr

zeitgemäss zu sein scheinen.

Was ist es was da aufgelöst wird ?

stark vereinfacht gesprochen sehe ich zwei grundsätzliche Möglichkeiten auf

was sich Architektur beziehen kann.

Architektonische Form kann sich auf die Welt der Häuser, der vorhandenen

Architekturen beziehen

„architectura sono architecturae“. wie aldo Rossi sagt

„die Architektur das sind die Architekturen“

Ich nenne Hauser die aus diesem Bezug entstehen Gebäude.

Wir können aber auch architektonische Form aus Dingen herstellen

„Alles ist Architektur “ wäre da vielleicht eine mögliche Abwandlung eines

berühmten Zitats.

alles kann als Grundlage für Architektur herhalten Lippenstifte und

Schaumbäder, Damenstrümpfe und Monitore.

Ich nenne Häuser die aus einem solchen Bezug entstehen Gebilde.In dieser Gegend der Welt reden wir wenn wir von Stadt reden zu aller meist

von einer Stadt der Gebäude.

Selbst ein großer Teil der Stadtzerstörung nach dem zweiten Weltkrieg war

immer noch der Gebäudestadt verpflichtet.

Aber es gibt auch eine Stadt der Gebilde

mag sein dass die Gebildestadt in Europa keine Tradition hat aber in Tokio sind

weite Teile von einem Nebeneinander von Gebilden geprägt ohne,

dass jemand darauf käme zu sagen Tokio sei keine Stadt.

und Dennoch

Ich meine wahrzunehmen dass es aber einen Vormarsch der Gebildestadt gibt

den wir zumeist als eine Bedrohung der Gebäudestadt erleben.

Warum:

Gebilde sichern einem Haus eine Mediale Verwertbarkeit Ein Gebilde ist

leichter zu verstehen, zumindest im Stadium des Renderings …

Ein Stadion wie ein Vogelnest ist einfach leichter zu konsumieren als der Bezug

auf das Stadion in Harvard von Louis J. Johnson das sich seinerseits auf das

Kolloseum in Rom bezieht

Ausgehend von dem Avantgardegedanken der Frühmoderne unterliegen wir

einem Orginalitätszwang der stets dem vermeintlich nie dagewesenen den

Vorrang meint geben zu müssen,die unbedingte Bevorzugung der Erfindung

gegenüber der Entdeckung

führt zu einem innovationszwang der meint in den hergebrachten

Sprachsystemen keinen adequaten Ausdruck zu finden.

und tatsächlich hat das Gebäude einen Erklärungsnotstand es ist nicht einfach zu

erklären wie die Innovation in die Welt der Gebäude kommt.

wenn man dem nachgeht so wird man feststellen dass im reinen Gebäude es

einer grossen Bildung bedarf um Innovationen feststellen zu können Bildung

beim Produzenten ebenso wie Bildung beim Rezipienten….

Das ist beim Gebilde einfacher die Wahl des jeweiligen Gegenstandes führt

meist schon für sich zu einem gewissen Distinktionsgewinn

dafür hat das Gebilde eine andere Schwierigkeit nach dem Clou der ersten

Verständlichkeit fehlt logischerweise die zweite ebene

Gebilde sind meist ikonograghisch unkomplex und auch technisch sind sie

meist nicht geeignet ein Haus zu sein …

Die wirklich lächerlichen Versuche des Kunsthauses in Graz eine Wolke zu sein

zu wollen führen zwangsläufig zu einem äesthetischen und eben auch

technischem Desaster.Was tun ?

ob es tatsächlich ein weg ist zu behaupten man dürfe keine Gebilde mehr

machen?

ist es tatsächlich so dass wir trotz solch einem Verbot alle Anforderungen auch

die iconographischen abbilden könnten ?

Ich glaube wir brauchen die Gebäude

weil sie eine pragmatische Kontinuität der Machbarkeit garantieren

weil sie sich an Verabredungen halten können

weil damit komplexere und damit auch nachaltigere Aussagen getroffen werden

können.

ich glaube aber auch wir brauchen die innovative Kraft der Gebilde, Wir

brauchen die unmittelbare Lesbarkeit und die direkte emotionale Ebene die

Gebilde aufspannen können

Das Gebäude garantiert uns die Lesbarkeit im städtischen Kontext das Gebilde

hilft uns in eben diesen Kontext eine Neuerung einzuführen…

Aber wir brauchen das nicht nebeneinander in beziehungslos addierten

Objekten,

Stadt ist nun mal keine Spiegelablage wo Shampoo neben Zahnputzbecher und

Rasierwasser stehen kannwir brauchen Gebäude und Gebilde nicht nebeneinander sondern ineinander

Gebäude und Gebilde müssen sich durchdringen um die Vorteile des jeweils

anderen nutzen können.

was im günstigsten Fall entsteht ist ein Gemenge

Ein Gemenge das einerseits als Gebäude mit seinen Nachbarn im Gespräch

bleiben kann

Ein Gemenge das andererseits in der Lage ist etwas Neues zum Dialog der Stadt

beizutragen.

Bei diesem Dialog müssen wir lernen dass es nicht immer der Wiedererfindung

des Rades bedarf um einen Beitrag zu leisten.

Wir müssen lernen dass der Betrag an Gebilde eben ein gewisses Mass nicht

übersteigen darf.

Wir müssen lernen dem Bedürfnis nach unbedingter Orginalität zu widerstehen.

Ich glaube dass die Verständlichkeit einer moderaten Innovation möglicherweise

das letzte architektonische Abenteuer ist,

auch weil man sich dabei zwischen alle Stühle setzt.Wir müssen lernen, dass architektonische Sprache mehr ist als ein Ja zum

Gebäude und mehr als ein Nein zum Gebilde ,

wir müssen lernen, dass was immer wir mit unseren Gemengen sagen wollen es

immer Sprache bleiben muss womit wir uns äußern.

Wenn es uns nicht gelingt das an unsere Studenten und auch an unsere

Bauherren zu kommunizieren …

wird die Stadt die wir kennen und lieben in einem Kauderwelsch enden in dem

niemand mehr Verabredungen treffen kann.

und das wäre nicht nur das Ende der Stadt…

Ich danke ihnen